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Morgenwelt
6. Dezember 1999
 

Wir Medienmacher

neu: Von Ehrlichen und Dummen

von Holger Hogelücht

Mannesmann kämpft gegen die feindliche Übernahme. Baukonzern Holzmann ist knapp der Pleite entronnen, nicht zuletzt aufgrund der Hilfe von Bundeskanzler Schröder. Zeitgleich streicht sein Nachfolger im Amt des niedersächsischen Ministerpräsidenten die Segel, seine hemdsärmeligen Verstrickungen mit der Wirtschaft sind doch zu offensichtlich.

Die CDU versucht, ihre obskure Kontenführung zu klären und auch Helmut Kohl kann sich der Gunst des "Mannes auf der Straße" nicht mehr so sicher sein, seit sich seine Verstrickungen in den Spendensumpf kaum noch leugnen lassen.

Der von den Medien so gern zitierte "kleine Mann" schlackert angesichts dieser Verstrickungen aus Geld und Macht mit den Ohren und zimmert eifrig an seinem Weltbild. Und das fällt deutlich aus:

Die Übernahmeschlacht um Mannesmann zeigt ihm, dass in der Wirtschaft Krieg herrscht und nationales Denken durchaus anstrebenswert ist. Sollen etwa die Engländer ein deutsches Traditionsunternehmen zerschlagen, nur um sich dessen lukratives Telefongeschäft unter den Nagel zu reißen?

Doch mitten in diese Schlacht platzt die nächste Bombe von nationaler Tragweite, und, was jeder schon immer ahnte, zeigt sich offenkundig. Die bösen Buben in den Banken wollen ein Traditionsunternehmen wie Holzmann sterben lassen. Zum Glück erweist sich Schröder als Retter in letzter Not. Dann tritt Glogowski zurück. Die Ereignisse zeitigen ihre Wirkung.

Bis auf Schröder, der - für kurze Zeit jedenfalls - eine Ausnahmerolle spielt, gilt der Politiker als solcher schlechthin als geldgierig, unehrlich und letztlich nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Auch Schröder wird, wie Vorgänger Kohl, seine Leichen im Keller haben.

Die tatsächlichen Regenten sitzen ohnehin nicht in Berlin, sondern tragen ihren Nadelstreifen in Bankfurt ins Büro. Und denen sind Arbeitsplätze sowieso egal, denen geht es nur um Macht. Der Ehrliche ist, wie immer, der Dumme und damit meint der Durchschnittsbürger sich selbst.

Die Welt der Mächtigen scheint so weit entfernt von der des Normalos, dass dieser sich meint davon abkoppeln zu können: Flucht ins private Glück, Loslösen von der Politik und lieber via Internet den Blick auf die eigenen Aktienkurse werfen! Mannesmann ist ja toll gestiegen und auch die Deutsche Bank steht nicht übel da.

Dann gibt es plötzlich einen Einbruch in die eigene Wohnung, doch nichts von Wert wurde geklaut. Freunde, Nachbarn und sogar die herbeigerufenen Polizisten, eben all jene ehrlichen Dummen, empfehlen zu überlegen, was denn noch so abhanden gekommen sein könnte. War da nicht die teure Lederjacke?

Die Begründung ist einfach wie schlicht: Die Versicherungen bauten ohnehin dicke Paläste auf unsere Kosten, da sei es nur recht und billig, zu nehmen, was einem zusteht: mit Augenzwinkern oder klassenkämpferischen Tönen, je nach Geschmack. Und im nächsten Satz wird dann wieder das Klagelied über die geldgierigen Politiker angestimmt . Da fällt bei mir endgültig die Klappe!

Den Medien aber, würde es nicht schlecht anstehen, über die eigene Rolle in diesem Zusammenhang nachzudenken, denn nicht zuletzt auch die reißerische Berichterstattung über die vermeintlichen Ungerechtigkeiten, die auf dem Rücken der kleinen Leute ausgetragen würden, erweist sich oft als Bumerang.

Gleich nach dem Rücktritts Glogowskis auf dessen "fette" Pensionen zu verweisen oder die Rolle der Banken beim Holzmann-Fall zu durchleuchten, ist nicht falsch. Zu beachten aber sind die Auswirkungen. Und das geschieht viel zu selten.

Die Geldgier schimmert in den Augen derer da oben genauso, wie in den Augen derer ganz unten. Schließlich sind in einer Demokratie alle Menschen gleich.


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