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Morgenwelt Der
Himmel war wolkenverhangen am Sonntag des 7.November. Ein frischer
Wind sauste bei 13 Grad Celsius durch die Bäume im Hochtal von
Mexico City. Passanten fröstelte es auf der Straße. Manche
sprachen sogar von einem "Domingo 7", ein Tag mit schlechtem
Vorzeichen.
Dabei könnte der Siebte des November 1999 geradezu symbolisch
sein für eine "historische Wende" im Machtapparat
der PRI. Mexikos Partei der Institutionellen Revolution, die seit
70 Jahren an der Regierung ist, hatte, einmalig in ihrer Geschichte,
Sympathisanten und Mitglieder aus den eigenen Reihen zum Gang an
die Wahlurne aufgerufen, um ihren Präsidentschaftskandidaten
zu benennen. Die jüngst aufgrund interner Machtkämpfe
in Misskredit geratene Partei, sah sich zu diesem Schritt gezwungen,
da ihr ein möglicher Machtverlust bei den kommenden Wahlen
im Jahr 2000 bevorsteht.
Bereits im Mai dieses Jahres gab daher die PRI auf einem Parteitag
der immer lauter werdenden Forderung nach, ihren Präsidentschaftskandidaten
durch Vorwahlen am 7. November 1999 zu bestimmen. Und dies sowohl
im Hinblick auf die Millennium-Wahl, als auch im Hinblick auf die
Demokratisierung Mexikos. Als Gewinner aus den Vorwahlen sollte
hervorgehen, wer die meisten Stimmen in 300 Wahlbezirken in Mexiko
erzielt.
Bislang nämlich, hatten mexikanische Präsidenten das
Exklusiv-Privileg innegehabt, ihre Amtsnachfolger per "Fingerzeig"
zu ernennen. Daraus war, über Jahre hinweg, der im Volksmund
geläufige "Dedazo" entstanden, der richtungsweisende
Zeigefinger des Präsidenten.
Im Vorfeld der Wahlen musste sich Ex-Innenminister Francisco Labastida,
der bei öffentlichen Meinungsumfragen als deutlicher Sieger
hervorging, den Vorwurf seiner Rivalen gefallen lassen, ein Günstling Präsident Ernesto Zedillos zu sein. Ihm wurde vorgeworfen,
die Förderung der PRI-Partei zu genießen.
Wenn man nun Bilanz ziehen möchte und den Analysten Gehör
schenken will, so ging es während der Wahlkampagne hauptsächlich
um Politmarketing. An konkreten Vorschlägen und Lösungen
fehlte es. Wer also zur Wahl ging, hatte keine sachliche, dafür
aber eine persönliche Entscheidung getroffen und von seinem
Wahlrecht in Mexiko Gebrauch gemacht - sei es als Sympathisant der
PRI, oder einer ihrer Präsidentschaftskandidaten für das
Jahr 2000.
Nachwort:
Nach den vorläufigen Wahlergebnissen ging aus der Wahl zum
Präsidentschaftskandidaten der PRI am 7. November 1999 Ex-Innenminister
Francisco Labastida als deutlicher Sieger hervor. Nach Auszählung
von 40 Prozent der Wahlstimmen hat Labastida, laut Bekanntgabe der
PRI-Partei, 270 von 300 Wahlbezirken für sich gewinnen können.
Robert Madrazo hingegen, Exgouverneur im südöstlichen
Bundesstaat Tabasco und starker Rivale Labastidas, gewann nur 22
Wahlbezirke.An den Vorwahlen zum Präsidentschaftskandidaten
der PRI für das Jahr 2000, konnten sich rund 60 Millionen registrierte
Wahlberechtigte mit Wahlausweis beteiligen.
Mit der Vorentscheidung für den 57jährigen Francisco
Labastida gilt unter hiesigen Beobachtern die Präsidentenwahl
als beinahe entschieden. Freilich wird dadurch die PRI in den kommenden
Monaten auf eine innere Zerreissprobe gestellt werden. Denn die
Wahl am 7. November 1999 diente auch dem Ziel, der Öffentlichkeit
vor Augen zu führen, dass innerhalb der PRI eine Demokratisierung
stattgefunden habe. Aber bereits jetzt schon erheben die Rivalen
Labastidas lautstarken Protest und sprechen gar von einem unfairen
Verfahren.
15. November 1999
 
Südlich des Rio Grande
neu: Historische Wende oder Domingo 7?
von Andreas Wilmot
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