Dies ist ein Beitrag aus dem Morgenwelt-Archiv in Druckversion. Zur aktuellen Ausgabe kommen Sie hier: www.morgenwelt.de!

Morgenwelt
4. Oktober 1999
 

Wir Medienmacher

von Holger Hogelücht

Gespannt blickt die Medienwelt auf den 24. September diesen Jahres. An diesem Tag soll planmäßig die neue Ausgabe von Econy, dem etwas anderen Wirtschaftsmagazin, erscheinen. Und gleich daneben werden die Zeitungshändler ein neues Heft feilbieten, das noch etwas anders als das etwas andere Wirtschaftsmagazin sein wird. Das ganz neue andere Wirtschaftsmagazin wird von der Redaktion gemacht, die vorher das etwas andere Magazin, sprich Econy gemacht hat.

Das ausgesprochen Bemerkenswerte an diesem in Chaos ist , daß es sich bei Econy nicht einmal um ein wirtschaftlich sonderlich erfolgreiches Magazin handelt, in den Medien aber dennoch viel Wind um das Heft gemacht wird. Im 2. Quartal 1999 wurden pro Ausgabe mit 18.000 lediglich ein Drittel der Druckauflage verkauft und die Abonnentenzahl liegt auch nur bei schlappen 5000.

Aber der Weg der Econy-Macher um Chefredakteurin Gabriele Fischer wird mit viel Sympathie verfolgt - vielleicht weil mancher Kollege in warmen Redaktionsstuben Frau Fischer um ihren Mut in der eiskalten Medienbranche beneidet? Der Mut ist in der Tat beträchtlich. Als Econy nach zwei Ausgaben vom Spiegel-eigenen Manager Magazin Verlag mangels Rentabilität wieder eingestellt werden sollte, kaufte Fischer den Titel kurzerhand auf und gab das Heft selbst heraus. Das faszinierte auch den Mainzer Verleger Olaf Theisen, der bislang mit eher belanglosen Titeln wie Oldtimermarkt sein Geld verdiente. Anfang diesen Jahres stieg der Mann bei Econy ein, die Firma von Gabriele Fischer, die für den Inhalt sorgte, hieß seitdem Brandeins. Ein folgenschwerer Fehler von Gabriele Fischer, denn nachdem im Lauf des Jahres die Differenzen zwischen ihr und Theisen unüberbrückbar wurden, war sie Ende Juli den Titel Econy los - Herr Theisen allerdings auch seine Redaktionsmannschaft. Diese hielt in Treue zur Gabriele Fischer - wie auch ein Großteil der Medien, die der Dame bescheinigten, eine ebenso mutige Unternehmerin zu sein wie die Helden ihrer Geschichten - während Theisen als vermeintlich farbloser Buchhalter und Geldgeier die Rolle des Buhmanns zugeschrieben bekam. An dieser Stelle begann der Wettlauf mit der Zeit, gespannt verfolgt von der Medienmeute. Während Herr Theisen mit eingeführtem Titel, Abonnenten, Vertrieb und Anzeigekunden, aber ohne Redaktion auskommen mußte, hing Gabriele Fischer mit einem perfekt eingespielten Redaktionsteam im luftleeren Raum. Und legte dann ein beachtliches Tempo vor.

Schon zwei Wochen nach der Trennung von Theisens VFW Verlag hatte sie für ihr Projekt Wirtschaftsmedien Geldgeber aus jener schönen neuen Wirtschaftswelt gefunden, über die ihre Redaktionsteam bislang in Econy so hingebungsvoll berichtete. Als Erscheinungstermin für das neue Blatt visierte sie - bestimmt nicht zufällig - den des nächsten Econy an. Zugleich werkelt in Mainz eine Redaktion vor sich hin, von niemand so recht weiß, wer das eigentlich ist. Vermutlich Verräter und Duckmäuser, die nur die schnelle Gelegenheit wittern, anstatt im Oldtimermarkt auch mal in einem etablierten Blatt zu schreiben. Die Sympathiewerte der Medienleute schlagen eindeutig zugunsten von Gabriele Fischer aus. Warten wir also auf den 24. September, dann werden wir schlauer sein. Hoffentlich liegen dann nicht zwei Katastrophenhefte nebeneinander in den Regalen, die beide mit zu heißer Nadel gestrickt wurden.


© 1999, www.morgenwelt.de, Hamburg, Deutschland