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Morgenwelt Gespannt
blickt die Medienwelt auf den 24. September diesen Jahres. An diesem
Tag soll planmäßig die neue Ausgabe von Econy, dem etwas anderen Wirtschaftsmagazin,
erscheinen. Und gleich daneben werden die Zeitungshändler ein neues
Heft feilbieten, das noch etwas anders als das etwas andere Wirtschaftsmagazin
sein wird. Das ganz neue andere Wirtschaftsmagazin wird von der Redaktion
gemacht, die vorher das etwas andere Magazin, sprich Econy gemacht
hat.
Das ausgesprochen Bemerkenswerte an diesem in Chaos ist , daß
es sich bei Econy nicht einmal um ein wirtschaftlich sonderlich
erfolgreiches Magazin handelt, in den Medien aber dennoch viel Wind
um das Heft gemacht wird. Im 2. Quartal 1999 wurden pro Ausgabe
mit 18.000 lediglich ein Drittel der Druckauflage verkauft und die Abonnentenzahl liegt auch nur bei schlappen 5000.
Aber der Weg der Econy-Macher um Chefredakteurin Gabriele Fischer
wird mit viel Sympathie verfolgt - vielleicht weil mancher Kollege
in warmen Redaktionsstuben Frau Fischer um ihren Mut in der eiskalten
Medienbranche beneidet? Der Mut ist in der Tat beträchtlich. Als
Econy nach zwei Ausgaben vom Spiegel-eigenen Manager Magazin Verlag
mangels Rentabilität wieder eingestellt werden sollte, kaufte Fischer
den Titel kurzerhand auf und gab das Heft selbst heraus. Das faszinierte
auch den Mainzer Verleger Olaf Theisen, der bislang mit eher belanglosen
Titeln wie Oldtimermarkt sein Geld verdiente. Anfang diesen Jahres
stieg der Mann bei Econy ein, die Firma von Gabriele Fischer, die
für den Inhalt sorgte, hieß seitdem Brandeins. Ein folgenschwerer
Fehler von Gabriele Fischer, denn nachdem im Lauf des Jahres die
Differenzen zwischen ihr und Theisen unüberbrückbar wurden, war
sie Ende Juli den Titel Econy los - Herr Theisen allerdings auch
seine Redaktionsmannschaft. Diese hielt in Treue zur Gabriele Fischer
- wie auch ein Großteil der Medien, die der Dame bescheinigten,
eine ebenso mutige Unternehmerin zu sein wie die Helden ihrer Geschichten
- während Theisen als vermeintlich farbloser Buchhalter und Geldgeier
die Rolle des Buhmanns zugeschrieben bekam. An dieser Stelle begann
der Wettlauf mit der Zeit, gespannt verfolgt von der Medienmeute.
Während Herr Theisen mit eingeführtem Titel, Abonnenten, Vertrieb
und Anzeigekunden, aber ohne Redaktion auskommen mußte, hing Gabriele
Fischer mit einem perfekt eingespielten Redaktionsteam im luftleeren
Raum. Und legte dann ein beachtliches Tempo vor.
Schon zwei Wochen nach der Trennung von Theisens VFW Verlag hatte
sie für ihr Projekt Wirtschaftsmedien Geldgeber aus jener schönen
neuen Wirtschaftswelt gefunden, über die ihre Redaktionsteam bislang
in Econy so hingebungsvoll berichtete. Als Erscheinungstermin für
das neue Blatt visierte sie - bestimmt nicht zufällig - den des
nächsten Econy an. Zugleich werkelt in Mainz eine Redaktion vor
sich hin, von niemand so recht weiß, wer das eigentlich ist. Vermutlich
Verräter und Duckmäuser, die nur die schnelle Gelegenheit wittern,
anstatt im Oldtimermarkt auch mal in einem etablierten Blatt zu
schreiben. Die Sympathiewerte der Medienleute schlagen eindeutig
zugunsten von Gabriele Fischer aus. Warten wir also auf den 24.
September, dann werden wir schlauer sein. Hoffentlich liegen dann
nicht zwei Katastrophenhefte nebeneinander in den Regalen, die beide
mit zu heißer Nadel gestrickt wurden.
4. Oktober 1999
 
Wir Medienmacher
von Holger Hogelücht
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