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Morgenwelt
Die Heiligen Drei Könige haben einen schweren diplomatischen Zwischenfall in
Fidel Castros Kuba hervorgerufen. Die drei biblischen Figuren aus dem Morgenland
waren nämlich am Dreikönigstag ohne amtliche Erlaubnis und zum Gaudi der Kubaner
in Kaleschen durch die Altstadt von Havanna gefahren und hatten Bonbons unter das
Volk gestreut. Schlimmer noch: unter den Wämsen der Könige steckten spanische
Diplomaten. Der Gag war dazu gedacht, so hieß es später aus der Botschaft
Spaniens, die Kubaner mit den Traditionen und weihnachtlichen Gerbräuchen des
ehemaligen Mutterlandes bekanntzumachen. Der doch wohl gut gemeinte aber
herzlich naive Spaß der spanischen Diplomaten muss den Maximo Lider Fidel
Castro zur Weißglut getrieben haben, berichtet die argentinische Zeitung
"Clarin"aus Havanna. Das kubanische Fernsehen hatte noch, gutgläubig, Bilder
über die Heiligen Drei Könige gebracht - da sah man, wie sich die Kinder und
Erwachsenen in der Altstadt von Havanna gierig auf die Bonbons stürzten: eine
absolute Rarität im grauen, sozialistischen Alltag von Kuba. Aber am nächsten
Tag schlugen die Breitseiten der parteiamtlichen Schelte des dienstältesten
Diktators der Welt über die kubanischen Süßmäuler und die spanischen Diplomaten
herein. Als "unverantwortlichen Schwachsinn", "politische Provokation" und
"Anschlag auf die Würde des kubanischen Volkes" geißelte Fidel Castro den
Schabernack der Heiligen Drei Könige - und er kündigte noch "adäquate
Gegenmaßnahmen" an.
Was den Kubanern in Havanna wie ein überraschender Karneval erschien (wer weiß
schon, was es mit den Heiligen Drei Königen auf sich hat?), mutet Fidel Castro
wie ein Anschlag auf seine Autorität an. Zwar hatte der Tyrann zum Papst-Besuch
1998 gütigerweise das Weihnachtsfest wieder als Feiertag einführen lassen
- Christi Geburt durfte seit der Revolution von 1959 nicht mehr gefeiert werden
-, aber in Kuba bestimmt immer noch ein Mann alleine, wer und was gefeiert
werden darf. Vor allem aber dürfen keine Bonbons unkontrolliert unter die Menge
geworfen werden, denn das hätte wegen des Massenauflaufs zu Schäden an Personen
und Sachen führen können. Ob die Aktion der spanischen Diplomaten tatsächlich
von "good-will" veranlasst war, ist nicht auszumachen. Castro vermutet dahinter
eine gezielte Politik der Nadelstiche: die Spanier wollten sich rächen, weil
Kuba als einziges Land auf dem letzten Gipfel der iberoamerikanischen Staaten
die baskische Terror-Gruppe ETA nicht verdammen wollte.
Obgleich Spanien der größte Investor im kommunistischen Kuba ist, sind die
Beziehungen zwischen Havanna und Madrid seit langem gespannt. Spaniens Premier
Jose Maria Aznar ist nicht gewillt, Castro um den Bart zu streichen. Dass die
Heiligen Drei Könige aber den Comandante zu einem heftigen Zornesausbruch
provoziert haben, zeigt, wie es um die Freiheit auf der Insel bestellt ist.
Die kubanischen Bischöfe,übrigens, haben bislang zu all dem weise geschwiegen.
15. Januar 2001
 
Könige in Kuba
Mit Bonbons durch Havanna: Karnevalistische
Aktion am Dreikönigstag verärgerte Fidel Castro.
von Carl D. Goerdeler
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