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Morgenwelt
15. Januar 2001
 

Könige in Kuba

Mit Bonbons durch Havanna: Karnevalistische Aktion am Dreikönigstag verärgerte Fidel Castro.

von Carl D. Goerdeler

Die Heiligen Drei Könige haben einen schweren diplomatischen Zwischenfall in Fidel Castros Kuba hervorgerufen. Die drei biblischen Figuren aus dem Morgenland waren nämlich am Dreikönigstag ohne amtliche Erlaubnis und zum Gaudi der Kubaner in Kaleschen durch die Altstadt von Havanna gefahren und hatten Bonbons unter das Volk gestreut. Schlimmer noch: unter den Wämsen der Könige steckten spanische Diplomaten. Der Gag war dazu gedacht, so hieß es später aus der Botschaft Spaniens, die Kubaner mit den Traditionen und weihnachtlichen Gerbräuchen des ehemaligen Mutterlandes bekanntzumachen. Der doch wohl gut gemeinte aber herzlich naive Spaß der spanischen Diplomaten muss den Maximo Lider Fidel Castro zur Weißglut getrieben haben, berichtet die argentinische Zeitung "Clarin"aus Havanna. Das kubanische Fernsehen hatte noch, gutgläubig, Bilder über die Heiligen Drei Könige gebracht - da sah man, wie sich die Kinder und Erwachsenen in der Altstadt von Havanna gierig auf die Bonbons stürzten: eine absolute Rarität im grauen, sozialistischen Alltag von Kuba. Aber am nächsten Tag schlugen die Breitseiten der parteiamtlichen Schelte des dienstältesten Diktators der Welt über die kubanischen Süßmäuler und die spanischen Diplomaten herein. Als "unverantwortlichen Schwachsinn", "politische Provokation" und "Anschlag auf die Würde des kubanischen Volkes" geißelte Fidel Castro den Schabernack der Heiligen Drei Könige - und er kündigte noch "adäquate Gegenmaßnahmen" an.

Was den Kubanern in Havanna wie ein überraschender Karneval erschien (wer weiß schon, was es mit den Heiligen Drei Königen auf sich hat?), mutet Fidel Castro wie ein Anschlag auf seine Autorität an. Zwar hatte der Tyrann zum Papst-Besuch 1998 gütigerweise das Weihnachtsfest wieder als Feiertag einführen lassen - Christi Geburt durfte seit der Revolution von 1959 nicht mehr gefeiert werden -, aber in Kuba bestimmt immer noch ein Mann alleine, wer und was gefeiert werden darf. Vor allem aber dürfen keine Bonbons unkontrolliert unter die Menge geworfen werden, denn das hätte wegen des Massenauflaufs zu Schäden an Personen und Sachen führen können. Ob die Aktion der spanischen Diplomaten tatsächlich von "good-will" veranlasst war, ist nicht auszumachen. Castro vermutet dahinter eine gezielte Politik der Nadelstiche: die Spanier wollten sich rächen, weil Kuba als einziges Land auf dem letzten Gipfel der iberoamerikanischen Staaten die baskische Terror-Gruppe ETA nicht verdammen wollte.

Obgleich Spanien der größte Investor im kommunistischen Kuba ist, sind die Beziehungen zwischen Havanna und Madrid seit langem gespannt. Spaniens Premier Jose Maria Aznar ist nicht gewillt, Castro um den Bart zu streichen. Dass die Heiligen Drei Könige aber den Comandante zu einem heftigen Zornesausbruch provoziert haben, zeigt, wie es um die Freiheit auf der Insel bestellt ist. Die kubanischen Bischöfe,übrigens, haben bislang zu all dem weise geschwiegen.


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