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Morgenwelt
21. August 2000
 

Impressionen aus Bangkok

Nichtraucherzone Fernsehen

von Ron Morris

Im April hat Thailand - als erstes asiatisches Land überhaupt, - verboten, das Rauchen im Fernsehen zu zeigen. Wie dieses Verbot in die Praxis umgesetzt werden soll, wird zur Zeit noch beraten.

Momentan werden Fernsehszenen, in denen irgendwelche Leute rauchen, nicht etwa weggeschnitten, sondern mit einer Art von Puzzle überzogen: die Raucher auf dem Bildschirm werden sozusagen elektronisch aufgelöst.

In den betroffenen amerikanischen Fernseh-Soaps verschwinden die handelnden Personen in einem Nebel von Puzzleteilchen, sobald sie eine Zigarette an die Lippen führen. Dieses Prinzip wird selbst dann beachtet, wenn es sich um Mitteilungen der Gesundheitsbehörden handelt, in denen das Rauchen verurteilt wird: auch hier muss der Bildschirm "vernebelt" werden, falls irgendein Raucher im Bild auftauchen sollte.

UBC, der Betreiber eines lokalen kommerziellen Fernsehsenders, ist damit beauftragt, solche Shows im Hinblick auf die Durchführung dieser Zensur zu beobachten.

Einer namentlich nicht genannten Quelle innerhalb der Firma zufolge, würde UBC die für den Fernsehzuschauer irritierende elektronische Verschleierung gerne beenden und stattdessen eher dazu neigen, einen warnenden Hinweis einzublenden, wenn Zigaretten geraucht werden.

Ob dies die Regierung akzeptieren würde, ist ungewiss. Der anonyme Gesprächspartner bei UBC gibt die Meinung Vieler im Medienbereich wieder, indem er sagt, dass Fernseh-Szenen "vermutlich gar nicht das Leben der Menschen beeinflussen".

Im letzten Jahr haben die Behörden die Darstellung von Homosexualität im Fernsehen verboten und sie versuchten, Porträt-Sendungen über Transvestiten zu unterbinden.

Das alles hat einige Kritiker bewogen, zu fragen, ob das Rauchverbot auf dem Bildschirm nicht eine Tendenz widerspiegele, die möglicherweise ausufere, oder, ob es nicht faktisch ein Verstoß gegen die Pressefreiheit darstelle, die in Thailands neuer Verfassung festgeschrieben ist.

Anfang der 90er Jahre hatte man bereits ähnliche Vorschriften, das Trinken und Rauchen im Fernsehen betreffend, aufgegeben, als Funk und Fernsehen teilweise dezentralisiert wurden.

Inzwischen argumentieren die Gesundheits-Befürworter, dass die Medien die Pflicht hätten, dem öffentlichen Wohl zu dienen. Die "Straits Times" zitierte den Direktor des Instituts für die Kontrolle des Tabakverbrauchs, Dr. Varabhorn Bhumiswasdi, der kurz nach dem Inkrafttreten des Verbots bemerkte: "Die Medien beeinflussen immer die Leute - vor allem die jungen Leute, die Teenager, die ständig das nachahmen, was sie im Fernsehen sehen. Es ist die Pflicht der Medien, ein Qualitätsprodukt für den Konsumenten herzustellen - insbesondere für die Teenager unter ihnen."

Tatsächlich ist Thailand stets gelobt worden für seine aggressiven Anti-Tabak-Taten. In den letzten 15 Jahren tendierte die Entwicklung weg von einer Tabakindustrie, die - von dem tatsächlich so benannten Thai Tabak Monopol kontrolliert - keine ausländischen Marken neben sich duldete, hin zu einem freien Markt. Gleichzeitig ging diese Entwicklung einher mit der Entschlossenheit, den mächtigen ausländischen Tabakkonzernen Paroli zu bieten.

Im Jahre 1988 ergriff Thailand eine Reihe von Maßnahmen, darunter das Verbot von Zigarettenwerbung, was zu einer Beschwerde der US Cigarette Export Association (USCEA) führte. In ihrer an die US-Handelsvertretung gerichteten Petition verlangte die USCEA "die Aufhebung aller Restriktionen, den Import und Verkauf von Zigaretten betreffend, die Aufhebung aller diskriminatorischen Importzölle und Steuern für Zigaretten, sowie das Recht, Zigaretten in Thailand zu verteilen, zu bewerben und (ihre Verbreitung) zu fördern."

Ob diese Ansuchen nun legitime Forderungen ausdrückten, oder aber lediglich Ausdruck von Handelsinteressen waren: für die Thais jedenfalls, waren sie der Versuch amerikanischer Tabakkonzerne, ihnen genau jene Regeln aufzuzwingen (wie etwa die unbeschränkte Werbung für Zigaretten), die in den Vereinigten Staaten selbst als illegal betrachtet würden.

Möglicherweise hätten die GATT-Abkommen Thailand verpflichtet, seine Tabakindustrie den Importen von außen zu öffnen. Thailand jedoch, widerstand den Forderungen der Tabakfirmen nach Werbemöglichkeiten, und setzte stattdessen auf eine umfassende Anti-Raucher-Kampagne.

Die Kontroverse um die GATT-Verhandlungen führte zu einer noch entschiedeneren Haltung gegen Zigaretten im allgemeinen und zu einer Verdoppelung der Anstrengungen, ihre Verbreitung aufzuhalten.

Entgegen früh geäußerten Befürchtungen, hatte sich Thailand noch nicht zu einem wichtigen Absatzmarkt für westliche Zigarettenmarken entwickelt. Der von den ausländischen Zigarettenkonzernen erwartete große Absatzboom sollte nie Wirklichkeit werden. Nach anfänglichen Verkaufserfolgen, sind ausländischen Marken heutzutage nur langsame Zuwächse beschieden (im Jahre 1997 waren es 85 Millionen Zigarettenpackungen ) und sind damit nur ein kleines Segment innerhalb des Gesamtmarktes.

Thailand war sehr erfolgreich, was die Reduzierung des Tabakkonsums insgesamt anbetrifft. Im Jahre 1999 rauchten nur noch 20,5 Prozent der Bevölkerung: 1991 waren es noch 26,3 Prozent. Der Rückgang ist besonders groß unter den 20-24jährigen Thais. In dieser Altersgruppe fiel die Raucherquote von ehemals 28,3 Prozent bis herunter zu 18,3 Prozent.

In diesem Lichte besehen, ist die oben erwähnte jüngste Maßnahme mit dem Ziel, das Zigarettenrauchen vom Fernsehbildschirm zu verbannen, nur ein weiterer Schritt innerhalb der aggressiv betriebenen Anti-Raucher-Kampagne. Sie stellt den Versuch dar, das Rauchen als eine Art von "Tabu"-Tat zu markieren: ein interessanter Fall, der sich zu beobachten lohnt . angesichts der Tatsache, dass es bisher hierfür keine Vorläufer in Asien gegeben hat.

Die Tatsache, dass Thailand seine Märkte öffnen konnte und dennoch verhindert hat, dass die Quote der Raucher in der Bevölkerung - wie etwa in China, Taiwan und Südkorea zu beobachten - in exorbitantem Ausmaß gestiegen ist, erfüllt die Thais mit Stolz.

Andere Nationen, deren Bevölkerung über einige Kaufkraft verfügt und die eine Öffnung ihrer Märkte erwägen, könnten aus Thailands Erfolgen bei der Bekämpfung des Rauchens ihre eigenen Lehren ziehen.


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