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Morgenwelt Im
April hat Thailand - als erstes asiatisches Land überhaupt, -
verboten, das Rauchen im Fernsehen zu zeigen. Wie dieses Verbot in
die Praxis umgesetzt werden soll, wird zur Zeit noch beraten.
Momentan werden Fernsehszenen, in denen irgendwelche Leute rauchen,
nicht etwa weggeschnitten, sondern mit einer Art von Puzzle überzogen:
die Raucher auf dem Bildschirm werden sozusagen elektronisch aufgelöst.
In den betroffenen amerikanischen Fernseh-Soaps verschwinden die
handelnden Personen in einem Nebel von Puzzleteilchen, sobald sie
eine Zigarette an die Lippen führen. Dieses Prinzip wird selbst dann beachtet, wenn es sich um Mitteilungen der Gesundheitsbehörden
handelt, in denen das Rauchen verurteilt wird: auch hier muss der
Bildschirm "vernebelt" werden, falls irgendein Raucher
im Bild auftauchen sollte.
UBC, der Betreiber eines lokalen kommerziellen Fernsehsenders,
ist damit beauftragt, solche Shows im Hinblick auf die Durchführung
dieser Zensur zu beobachten.
Einer namentlich nicht genannten Quelle innerhalb der Firma zufolge,
würde UBC die für den Fernsehzuschauer irritierende elektronische
Verschleierung gerne beenden und stattdessen eher dazu neigen, einen
warnenden Hinweis einzublenden, wenn Zigaretten geraucht werden.
Ob dies die Regierung akzeptieren würde, ist ungewiss. Der
anonyme Gesprächspartner bei UBC gibt die Meinung Vieler im
Medienbereich wieder, indem er sagt, dass Fernseh-Szenen "vermutlich
gar nicht das Leben der Menschen beeinflussen".
Im letzten Jahr haben die Behörden die Darstellung von Homosexualität
im Fernsehen verboten und sie versuchten, Porträt-Sendungen
über Transvestiten zu unterbinden.
Das alles hat einige Kritiker bewogen, zu fragen, ob das Rauchverbot
auf dem Bildschirm nicht eine Tendenz widerspiegele, die möglicherweise
ausufere, oder, ob es nicht faktisch ein Verstoß gegen die
Pressefreiheit darstelle, die in Thailands neuer Verfassung festgeschrieben
ist.
Anfang der 90er Jahre hatte man bereits ähnliche Vorschriften,
das Trinken und Rauchen im Fernsehen betreffend, aufgegeben, als
Funk und Fernsehen teilweise dezentralisiert wurden.
Inzwischen argumentieren die Gesundheits-Befürworter, dass
die Medien die Pflicht hätten, dem öffentlichen Wohl zu
dienen. Die "Straits Times" zitierte den Direktor des
Instituts für die Kontrolle des Tabakverbrauchs, Dr. Varabhorn
Bhumiswasdi, der kurz nach dem Inkrafttreten des Verbots bemerkte:
"Die Medien beeinflussen immer die Leute - vor allem die jungen
Leute, die Teenager, die ständig das nachahmen, was sie im Fernsehen sehen. Es ist die Pflicht der Medien, ein Qualitätsprodukt
für den Konsumenten herzustellen - insbesondere für die
Teenager unter ihnen."
Tatsächlich ist Thailand stets gelobt worden für seine
aggressiven Anti-Tabak-Taten. In den letzten 15 Jahren tendierte
die Entwicklung weg von einer Tabakindustrie, die - von dem tatsächlich
so benannten Thai Tabak Monopol kontrolliert - keine ausländischen
Marken neben sich duldete, hin zu einem freien Markt. Gleichzeitig
ging diese Entwicklung einher mit der Entschlossenheit, den mächtigen
ausländischen Tabakkonzernen Paroli zu bieten.
Im Jahre 1988 ergriff Thailand eine Reihe von Maßnahmen,
darunter das Verbot von Zigarettenwerbung, was zu einer Beschwerde
der US Cigarette Export Association (USCEA) führte. In ihrer an die US-Handelsvertretung gerichteten Petition verlangte die USCEA
"die Aufhebung aller Restriktionen, den Import und Verkauf
von Zigaretten betreffend, die Aufhebung aller diskriminatorischen
Importzölle und Steuern für Zigaretten, sowie das Recht,
Zigaretten in Thailand zu verteilen, zu bewerben und (ihre Verbreitung)
zu fördern."
Ob diese Ansuchen nun legitime Forderungen ausdrückten, oder
aber lediglich Ausdruck von Handelsinteressen waren: für die
Thais jedenfalls, waren sie der Versuch amerikanischer Tabakkonzerne,
ihnen genau jene Regeln aufzuzwingen (wie etwa die unbeschränkte
Werbung für Zigaretten), die in den Vereinigten Staaten selbst
als illegal betrachtet würden.
Möglicherweise hätten die GATT-Abkommen Thailand verpflichtet,
seine Tabakindustrie den Importen von außen zu öffnen.
Thailand jedoch, widerstand den Forderungen der Tabakfirmen nach
Werbemöglichkeiten, und setzte stattdessen auf eine umfassende
Anti-Raucher-Kampagne.
Die Kontroverse um die GATT-Verhandlungen führte zu einer
noch entschiedeneren Haltung gegen Zigaretten im allgemeinen und
zu einer Verdoppelung der Anstrengungen, ihre Verbreitung aufzuhalten.
Entgegen früh geäußerten Befürchtungen, hatte
sich Thailand noch nicht zu einem wichtigen Absatzmarkt für
westliche Zigarettenmarken entwickelt. Der von den ausländischen
Zigarettenkonzernen erwartete große Absatzboom sollte nie
Wirklichkeit werden. Nach anfänglichen Verkaufserfolgen, sind
ausländischen Marken heutzutage nur langsame Zuwächse
beschieden (im Jahre 1997 waren es 85 Millionen Zigarettenpackungen
) und sind damit nur ein kleines Segment innerhalb des Gesamtmarktes.
Thailand war sehr erfolgreich, was die Reduzierung des Tabakkonsums
insgesamt anbetrifft. Im Jahre 1999 rauchten nur noch 20,5 Prozent
der Bevölkerung: 1991 waren es noch 26,3 Prozent. Der Rückgang
ist besonders groß unter den 20-24jährigen Thais. In
dieser Altersgruppe fiel die Raucherquote von ehemals 28,3 Prozent
bis herunter zu 18,3 Prozent.
In diesem Lichte besehen, ist die oben erwähnte jüngste
Maßnahme mit dem Ziel, das Zigarettenrauchen vom Fernsehbildschirm
zu verbannen, nur ein weiterer Schritt innerhalb der aggressiv betriebenen
Anti-Raucher-Kampagne. Sie stellt den Versuch dar, das Rauchen als
eine Art von "Tabu"-Tat zu markieren: ein interessanter Fall, der sich zu beobachten lohnt . angesichts der Tatsache, dass
es bisher hierfür keine Vorläufer in Asien gegeben hat.
Die Tatsache, dass Thailand seine Märkte öffnen konnte
und dennoch verhindert hat, dass die Quote der Raucher in der Bevölkerung
- wie etwa in China, Taiwan und Südkorea zu beobachten - in
exorbitantem Ausmaß gestiegen ist, erfüllt die Thais
mit Stolz.
Andere Nationen, deren Bevölkerung über einige Kaufkraft
verfügt und die eine Öffnung ihrer Märkte erwägen,
könnten aus Thailands Erfolgen bei der Bekämpfung des
Rauchens ihre eigenen Lehren ziehen.
21. August 2000
 
Impressionen aus Bangkok
Nichtraucherzone Fernsehen
von Ron Morris
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