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Morgenwelt In
Maya Bay, jener Bucht, die einst die Kulisse abgab für den Leonardo
DiCaprio Film The Beach ", lagern Dutzende von Touristen
und Barkassen.
Trotz der Menschenmassen offenbart sich die natürliche Erhabenheit
der kleinen versteckten Bucht. Felswände, geschmückt mit
tropischer Vegetation, ragen auf drei Seiten steil empor. Das Wasser
darunter ist kristallklar und der Sand blendend weiß, auch
wenn sich ein paar Plastikfetzen als Treibgut aus der Außenwelt
am Strand festgesetzt haben.
So viele junge Weltreisende mit kleinem Geldbeutel wie seit den
60er Jahren nicht mehr, sind in den letzten Jahren aufgebrochen,
um überall auf dem Globus exotische Orte zu entdecken. Der
Kultroman The Beach " von Alex Garland (das bestverkaufte
"Penguin"- Buch überhaupt) hat eine Saite bei denjenigen
berührt, die dort schon gewesen waren, und auch bei denen,
die von diesem Ort träumten.
Der Roman erzählt die Geschichte eines selbstbezogenen Durchschnittsbürgers,
der auf einer abgelegenen Insel in Thailand ein verborgenes Paradies
entdeckt - und er erzählt die Auswirkungen dieser Entdeckung.
Im Jahre 1999 wurde The Beach " von Twentieth
Century Fox verfilmt. Für die Dreharbeiten wurde das Inselparadies
auf der Insel Phi Phi Le in Thailand nachgebildet - an einem eigens
hierfür veränderten Abschnitt von Maya Bay.
Thailand wirbt ständig in der ganzen Welt für seine Naturschönheiten,
und so wurde die Erlaubnis für die Dreharbeiten auf Phi Phi
Li (einem Nationalpark) erteilt. Man hoffte, die 40 Millionen Dollar-Produktion
würde den Tourismus fördern.
Die Filmproduzenten durften einige der Dünen von Maya Bay
verändern und eine Landschaft mit Kokospalmen gestalten, um
den abendländischen Vorstellungen von einem Paradies zu entsprechen.
Nach Ende der Dreharbeiten wurde der ursprüngliche Zustand
des Strandes wiederhergestellt.
Ein Jahr später, machten lokale Umweltgruppen den Einsturz
eines Teils der Sanddüne auf Maya Beach zum Gesprächsthema.
Umweltschützer behaupten, dass die weitreichenden Eingriffe
in die Natur bei den Dreharbeiten Schäden in der anfälligen
Strandlandschaft verursacht hatten.
Die Umweltschützer widersetzen sich auch der Kommerzialisierung,
welche auf diese abgeschiedene Gegend zukommen könnte.
Vor 25 Jahren hatte der James Bond-Film " Man with the Golden
Gun " den großen Steingipfel von Tapu Island in Phang
Nga zum Schauplatz gemacht. Im Film verbirgt der Kalksteinturm die
geheime Waffe des Bösewichtes. Heute ist diese Gegend immer
noch regelrecht mit Souvenirbuden überschwemmt, und alle Veranstalter
werben für Reisen zum James Bond-Felsen". Die Umweltschützer
fürchten, dass dasselbe Los auch Maya Bay beschieden sein könnte.
Als der Film The Beach " in die Kinos von Bangkok
kam, riefen die Protestler zu einem Boykott auf, was jedoch dem
öffentlichen Interesse an dem mit Spannung erwarteten Film
nur Vorschub zu leisten schien.
Man streitet darüber, ob der Strand Schäden in irreparablem Ausmaß erlitt. Die Landschaft und die Dünen wurden wiederhergestellt,
die Ursache für den Einsturz der erwähnten Düne ist
aber unklar. Einige behaupten, dass derartige Erosionen während
der Monsunzeit nicht ungewöhnlich sind.
Eine offensichtliche Wirkung des Filmes besteht jedoch darin, dass
Phi Phi Le jetzt bekannt ist, und mehr Leute als jemals zuvor dort
hinreisen werden.
Es ist zwar nicht gestattet, auf der Insel zu übernachten,
aber der unvermeidliche Müll, der die Menschen überall
dorthin begleitet, wo sie sich aufhalten, ist schon jetzt in weit
größerem Ausmaß als früher anzutreffen.
Dennoch ist dieser Ort ein unvergleichlicher Schauplatz, selbst
inmitten all der Wunder in der Andamanen See. Seine Höhlen
beherbergen Nester essbarer Vögel (eine chinesische Delikatesse)
und die Höhlenmalereien von Seezigeunern. Überall zwischen
der nahegelegenen Insel Phuket und der Provinz Krabi, erblickt man
bizarr geformte Felseninseln, die Punkten ähneln, die auf dem
Meer verstreut sind.
Wahrscheinlich gibt es nirgendwo sonst auf der Welt eine Gegend
von so viel atemberaubender Schönheit in so unmittelbarer Nähe zu einem internationalen Flughafen (auf der nahegelegenen Insel
Phuket) - aber Puristen dürften dennoch enttäuscht sein.
Diese in der Entwicklung begriffene Nation, die 62 Millionen Menschen
umfasst, hält nur wenige Orte bereit, welche die unbekümmert-
kapitalistisch agierenden Thais nicht entdeckt und ausgebeutet hätten.
Die verhängnisvollen Folgen einer solch überhitzten Entwicklungsdynamik
haben sich als Sinnbild des Schicksals - ja, geradezu als Klischee
- erwiesen. Die Verkehrswege sind chronisch unzureichend. Es wurde
zu viel willkürliche Entwicklung geduldet. Die sich unkontrollierbar
ausbreitenden Geschäftshäuser aus Beton sind eine Plage,
die das ganze Land wie Abfall übersät.
Verkäufer von Esswaren nehmen umgehend jeden Fleck in Besitz,
der nur etwas touristisches Potenzial verrät. Geschäftsleute
errichten in Besetzermanier kleine Bauten, um das schnelle Geld
zu machen, bevor sie von den Behörden zur Räumung gezwungen
werden.
Das klassische Ideal des westlichen Menschen vom Paradies - Freizeit
verbringen in einem romantischen, fremden Land, die Einheimischen
unsichtbar zugegen in angenehmer Distanz, wie The Beach " es darstellt, findet bei den Thais wenig Resonanz. Obwohl ursprünglich
mit Spannung erwartet, wurde der Film letztlich nur als eine einigermaßen
passable Sensation" angesehen. Für Viele war es
nur eine Geschichte, die sich in ihrem eigenen - unleugbar schönen
- Hinterhof abspielte.
An diesem Tag steht eine Schar staunender Reisender auf dem ehemaligen
Filmschauplatz in Maya Bay. Der Strand ist bedeckt von Barkassen,
die auf die Fahrgäste für die Rückfahrt warten, aber
die Szenerie ist trotzdem einzigartig und aufregend. Dann schlägt
der Bootsführer vor, uns zu einem echten" menschenleeren
Strand zu bringen. Keine Menschen ", sagt er, und
nickt dabei begeistert.
Kurz darauf, werden wir auf einem verlassenen Strandstreifen abgeladen. Es ist ein friedlicher und scheinbar unberührter Ort, aber
es gibt hier weder Trinkwasser, noch Nahrung, und bald wird der
Bootsführer unruhig und will uns nach Phi Phi Don zurückbringen.
Die Szenerie wird einzig und wird allein durch ein undefinierbares
Stück Plastik gestört, das aus dem Sand ragt. Alle meinen,
dass der Strand des Bootsführers wirklich eine großartige
Entdeckung ist.
Aber berichten Sie nicht darüber! Es würde alles
verderben ", rät mir ein anonymer dänischer Mitreisender.
Auf der Rückfahrt entschwinden Dutzende von wunderschönen
Inseln in der klaren Unendlichkeit der Andamanensee. Hier draußen,
nahe der undurchsichtig-trüben Meeresgrenze von Myanmar, gibt
es einige der weltbesten Schnorchelplätze, die von den Bootsleuten
geheimgehalten und nur zahlenden Kunden preisgegeben werden.
Und weiter draußen, in Myanmar, warten neue Inselketten auf
ihr unvermeidliches Schicksal, eines Tages von sandalenbewehrten
Rucksacktouristen erforscht zu werden. Das Paradies liegt ewig und
immerzu gleich hinter dem Horizont...
Übersetzung: Larissa Wagner
3. July 2000
 
Impressionen aus Bangkok
Hinter dem Horizont...
von Ron Morris
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