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Morgenwelt
1. Mai 2000
 

Impressionen aus Bangkok

Künstlerpech: Wie Künstler in Thailand um internationale Anerkennung kämpfen.

von Ron Morris

Preecha Ratchakhun, 31, ist ein junger, moderner Künstler, der in Bangkok lebt. Seine rätselhaften Werke reflektieren die Erkenntnisse und Betrachtungsweise der Reisbauernkultur, in der er aufgewachsen ist. " Ich male, was ich als Kind gesehen habe, " sagt er.

Einige regionale Ausstellungen seiner Werke haben ihn zum vollwertigen Mitglied der florierenden Kunstszene Thailands gemacht. Dennoch ist es schwierig, als moderner Künstler in Bangkok zu überleben. " Die Leute wollen etwas, das ihnen leicht zugänglich ist. Sie kaufen Namen - und zeigen kein Interesse an unbekannten Künstlern ."

 

Moderne Künstler in Thailand haben einige aufregende und steinige Jahre hinter sich. 1997, im Zuge der hiesigen Währungskrise, gingen 56 große Finanzunternehmen pleite. Um die Gläubiger abzufinden, kamen die Konkursmassen der Firmen, die unter anderem vollständige Sammlungen thailändischer Kunst des 20. Jahrhunderts umfassten, unter den Auktionshammer.

In der Hoffnung, bei einem eventuellen Anstieg des internationalen Interesses an thailändischer Kunst absahnen zu können, eröffnete das Londoner Auktionshaus Christie's eine Zweigstelle in Bangkok. Es war das erste Mal überhaupt, dass ein internationales Auktionshaus in Thailand eine Kunstauktion veranstaltete.

Einheimische Künstler befürchteten, der Verkauf so vieler bedeutender Kunstwerke würde den Marktwert ihrer Arbeiten drücken. Die moderne Kunst Thailands wird von prominenten Künstlern beherrscht, deren Werke regelmäßig von Spekulanten aufgekauft werden – und auch diese Auktion sollte in dieser Hinsicht keine Ausnahme bilden. Zwar übertrafen die erzielten Preise die Erwartungen des Hauses, doch nahmen nur wenige ausländische Käufer an der Auktion teil. Letztere wurde vielmehr von einheimischen Käufern dominiert, denen vor allem daran lag, sich die Werke berühmter Künstler unter den Nagel zu reißen. Der große Auftritt thailändischer Kunst auf der internationalen Kunstszene würde wohl noch eine Weile auf sich warten lassen.

Die moderne Kunst Thailands ist qualitätvoll und vielfältig - sie gründet auf den Kunstidealen des Westens und geht dennoch ihre eigenen Wege. Montien Boonma ist vielleicht der einzige thailändische Künstler, der internationale Reputation genießt. Seine abstrakt-skulpturalen Installationen waren schon in aller Welt zu sehen. Die tiefere Bedeutung seiner Werke aber, ist zu unbestimmt, um daheim auf viel Begeisterung zu stoßen.

Einer der umstrittendsten Künstler Thailands ist nach wie vor Vasan Sitthiket, dessen Kunst den ungebremsten Kapitalismus Thailands kritisiert, sowie die aus dem Verfall traditioneller Werte resultierende Dekadenz.

Ein weiterer bekannter Künstler, Chalermchai Kositpipat, hat sich inzwischen von kontrovers zu "konventionell" gewandelt. Für westliche Betrachter mögen seine Bilder wahrscheinlich die am faszinierendsten und ansprechendsten sein. Sein Stil entwickelte sich aus der traditionellen thailändischen Wandmalerei und zeigt konventionelle religiöse Motive im Einklang mit modernen Elementen. So sieht man beispielsweise eine strahlende Buddhafigur, die aus einem Chaos von Fabrikrohren emporsteigt. Seine dekorativen und gestochen scharfen zweidimensionalen Werke, die an Wandgemälde erinnern, haben der traditionellen Malerei und Illustrationskunst Thailands neue Impulse verliehen.

Dennoch ist der Weg zur Anerkennung für die meisten Künstler hart und mühselig. Trotz ihrer geradezu überbordenden Kreativität verfügen thailändische Künstler kaum über Beziehungen zum internationalen Kunstmarkt.

Die Kunstszene Bangkoks wird beherrscht von nur wenigen kleinen Privatgalerien. Aber all das wird sich bald ändern.

Das Stadtbild wird in Kürze um ein großes internationales Kunstmuseum bereichert werden. Entworfen wurde es von Robert G. Boughey und Associates Co., Ltd. und gebaut wird es an einer Hauptverkehrskreuzung in Bangkok - direkt gegenüber von zwei riesigen Einkaufszentren und dem Knotenpunkt der beiden Skytrain-Linien. Dieser Lage kommt eine wichtige Bedeutung zu in einer Stadt, in der nahezu alle wertvollen Grundstücke von riesigen Einkaufszentren und Appartement-Hochhäusern besetzt sind.

Die Lage wurde ganz bewusst gewählt: sie soll eine Herausforderung darstellen für die von der Shopping-Leidenschaft der asiatischen Mittelklasse besessenen Thais. Die "Bangkok Metropolitan Administration" (Stadtverwaltung) will laut eigenem Bekunden erreichen, dass shopping-orientierte Thais zu "Kultur-Konsumenten" werden. Da schwingt auch die Hoffnung mit, dass dieses Museum der thailändischen Kunst dereinst ein internationales Publikum bescheren wird und zugleich thailändischen Kunstliebhabern den Zugang zu internationalen Kunstausstellungen ermöglicht.

 

All das sind natürlich gute Aussichten für den um Anerkenung kämpfenden Preecha Ratchakhun, der seine Bilder in seinem kleinen Garten in einem Vorort von Bangkok malt.

" Ein Museum ist schon 'mal ganz gut, aber letztlich kommt es auf die Direktoren an. Sie müssen aufgeschlossen sein, und bereit dazu, auch 'mal echter Kunst und echten Künstlern eine Chance zu geben – und nicht nur den Sachen, die sich verkaufen. "

Obwohl er sein Einkommen mit Illustrationen für die Werbung aufbessert, hält sich Ratchakhun für einen "reinen Künstler." Was sich auch immer in der Kunstszene Thailands ereignen mag - er will als Künstler weitermachen. " Ich muss malen. Ich will, ehrlich gesagt, gar nicht darüber nachdenken, ob meine Bilder sich verkaufen, oder nicht. "

(Fotos: Ron Morris)


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