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Morgenwelt
14. Februar 2000
 

Neues aus Lusitanien

Lusitanische Numerologie

von Torge Löding

Portugal war einer der letzten EU-Staaten, die sich dem Trend zur Privatisierung von Telefon- und Postdiensten anschlossen.

Dass es am Tejo ein wenig länger gedauert hat, lag aber nicht am fehlenden politischen Willen. Premierminister António Guterres (PS) ist längst überzeugter Anhänger des dritten Weges der Neuen Mitte. Seine engen Bande zu Großbritanniens Regierungschef Tony Blair sind in Portugal bekannt; deshalb heißt die Puppe, die Guterres in der lusitanischen Variante von „Spitting Image" („Contra-Informação" ) verkörpert, auch „Tonecas" (hergeleitet von „Tony" und „Bonecas" = „Püppchen").

Mit der Deregulierung des Telekommunikationsmarktes tat man sich hierzulande etwas schwer, weil dazu erst einmal die nelkenrevolutionäre Verfassung von 1975 geändert werden musste.

Damit diverse Privatanbieter seit nunmehr dem 1.Januar 2000 um die Kundengunst buhlen können, mussten sie in die Lage versetzt werden, die "PortugalTelecom" (bekannt für die höchsten Telefongebühren in der EU) herauszufordern. Und dazu bedurfte es einer Telefonnummern-Reform. Diese Reform ist der Beweis dafür, dass man sich nicht lumpen lässt in Portugal. Es mag ja sein, dass es hier einigen Menschen an ausreichender Alters- oder Gesundheitsversorgung mangelt: Nummern aber, gibt es jetzt mehr als genug!

Örtliche Vorwahlen sind weggefallen, ein zweistelliger Code, den man auch im Ortsnetz wählen muss, hat sich zu den bislang siebenstelligen Nummern gesellt. Wer nun also bei der Deutschen Botschaft in Lissabon anrufen möchte, wählt: 218810210 - eine recht üppige Telefonnummer für eine Stadt von eineinhalb Millionen Einwohnern.

„ Alleine in Lissabon wurden 10 Millionen neue Nummern freigeschaltet ", jubelte der Telecom-Pressesprecher, und führte diese Tat als Beleg dafür an, dass sein ehemaliges Staatsunternehmen zuversichtlich in die Zukunft blickt.

Zwar leben im ganzen Lande nicht einmal so viele Menschen, wie es nun Telefonnummern gibt, aber wer auf Wachstum setzt, muss vorsorgen. Angesichts der potenziell 999999999 (1 Mrd.) Nummern, kann sich jedermann 100 Nummern sichern: der Entwicklung auf dem Telefonmarkt sind damit kaum noch Grenzen gesetzt.

So mancher Kunde murrte allerdings, sah er sich doch nun gezwungen, alle bisherigen, sorgsam im Telefonspeicher abgelegten Nummern neu zu programmieren. Der Telecom-Sprecher hielt dagegen: „ Die neuen Codes sind viel einfacher zu handhaben! Ob es sich um das Telefonieren per Festnetz oder per Handy handelt, spielt von nun an keine Rolle mehr: eine Telefonnummer in Portugal hat von nun an stets neun Stellen. "

Und weil Ausnahmen die Regel bestätigen, ist das natürlich nicht immer so. Wer auf einen Privatanbieter zurückgreifen möchte, ist gehalten, die gewählte Nummer um weitere vier Stellen zu ergänzen. Damit wächst also auch der Code für das Ortsgespräch zur Deutschen Botschaft - und zwar auf: 1010218810210. Das soll sich einer merken!

„ Näher und genauer ", lautete der Werbeslogan der Lusitanenpost auch für die Reform der Postleitzahlen. Bereits der erste Werbespot im Fernsehen brachte die Reform auf den Punkt: Zwei Zwillingsschwestern lassen den Postboten schier in Weißglut geraten: er übergibt den Brief immerzu der falschen Empfängerin...

So etwas kann jetzt nicht mehr passieren! Die vierstellige Postleitzahl wurde um gleich drei Stellen aufgemotzt: das macht insgesamt 9999999 Postleitzahlen für 10 Millionen Portugiesen. Damit hat jeder Portugiese seine eigene Postleitzahl!

An dieser Stelle aber, ist nun - an die Adresse der zuständigen Oberpostdirektion - eine kleine Kritik zu vermelden: Da die Nummern nicht bei 0000-001 beginnen, gehen eine Million Geburts- und Wahl-Portugiesen leer aus. Das ist nicht sehr schön...


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