Natürliches Solarkraftwerk – der Vandasee in der Antarktis
Sie nennen sich Oasen, doch das Ambiente erinnert mehr an den Planeten Mars. Gemeint sind die wenigen schneefreien Täler der Antarktis, in denen weder das Zirpen einer Grille noch der Schrei eines Vogels die Luft durchdringen.
Das einzige Geräusch stammt vom Pfeifen des Windes, der als extrem kalter Fallwind unablässig weht und dafür sorgt, dass sich trotz niedriger Umgebungstemperaturen keine Schneedecke ausbilden kann. In der zu rund 99% vom bis zu 4 km dicken Eis bedeckten Antarktis sind diese in der Regel schwer zugänglichen Täler eine absolute Rarität. Der einzige Hinweis auf Leben in dieser Landschaft sind vertrocknete Seehundmumien, die man ab und zu findet. Dieses müssen vom Wind rund 30 km über das Land bewegt worden sein.
Das „Wright-Valley“ in der Ross Sea Region gehört zu den bedeutendsten Trockenregionen des Kontinents. Dort befindet sich auch längste Fluss der Antarktis, der Onyx-River. Nach fetten Lachsen wird man im Onyx-River vergeblich suchen, denn er fließt nur während des späten antarktischen Sommers in den Monaten Februar und März, wenn er vom Schmelzwasser der umgebenden Gletscher gespeist wird. Während der übrigen Zeit ist der Verlauf des Flusses als bloßes Eisband sichtbar.
Der Onyx-River mündet in den in 5 Kilometer langen und bis zu 75 m tiefen Vandasee, der in den Sommermonaten nur in Ufernähe eisfrei ist. Dass dieser See den Wärme liebenden Organismus Candida Antarctica beherbergt, ist ein weiteres Naturphänomen, das auf einer eigenartigen Tiefenstruktur des Gewässers basiert.
Der Vandasee besteht nämlich aus zwei Schichten: Während nahe der in der Regel eisbedeckten Oberfläche eine salzarme Zone vorliegt, herrscht in tieferen Schichten ab etwa 50 Metern eine stark alkalische Sole vor, in der sich die Temperatur zwischen + 25 °C im Winter und bis zu + 43 °C im Sommer bewegt, obwohl die Umgebungstemperatur an der Oberfläche des Sees je nach Jahreszeit zwischen etwa – 50 °C und maximal + 5°C schwankt. Dieser erstaunliche Effekt kommt dadurch zustande, dass die Eisdecke wie ein “Solarpanel” wirkt und das eingestrahlte Licht in Wärmeenergie umgewandelt wird, während der Wärmerückfluss aus der Tiefe des Sees minimal ist.
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