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 Seemannsgarn oder Realität? Der Kaventsmann
Ein spektakuläres Naturphänomen, das bis vor kurzem als reines Phantasieprodukt betrachtet wurde, ist der so genannte Kaventsmann. Das kommt von „Konventsmann“ für Mönch und bedeutet „dickleibiger Mann“, weil man sich so Mönche vorstellte.
In der Schifffahrt bezeichnet „Kaventsmann“ eine einzelne, hohe Wasserwelle von über 10 Metern Höhe, die plötzlich auftritt und zu schweren Verwüstungen oder zum Untergang eines Schiffes führen kann. Der englische Begriff hierfür lautet „freak wave“ bzw. „krasse oder verrückte Welle“.Kaventsmänner galten lange Zeit als Seemannsgarn, bis Satellitenaufnahmen und andere Messungen ihre Existenz bewiesen. Heute werden sie intensiv erforscht, da sie besonders für Ölbohrplattformen und Schiffe äußerst gefährlich sind.
Seefahrer unterscheiden drei Typen von Monsterwellen:
- den „Kaventsmann“, eine große relativ dicke Welle, die Schiffe herumwirbeln und seitlich zum Kentern bringen kann
- die „Drei Schwestern“, drei schnell hintereinander folgende große Wellen, denen ein Schiff kaum ausweichen und über die es auch nicht hinweg treiben kann.
- die „Weiße Wand“, eine sehr steile, bis ca. 30 Meter hohe Welle, von deren Kamm die Gischt herabsprüht. Diese entwickelt eine enorme Wucht beim Aufprall auf feste Körper.
Satellitenaufnahmen haben jetzt den Beweis geliefert: Es gibt die ungeheuren Wogen, und zwar treten sie sogar viel öfter als gedacht auf. Mehr als 200 Supertanker und Containerschiffe, allesamt mehr als 200 Meter lang, sind nach Zahlen der Europäischen Raumfahrtagentur ESA in den vergangenen 20 Jahren auf den Weltmeeren gesunken. Einige von ihnen könnten Kaventsmännern zum Opfer gefallen sein: Riesenwellen, die Höhen von 30, manchmal auch 50 Metern erreichen können - das zumindest berichteten Seeleute, die eine Begegnung mit einem solchen Monster überlebt haben.
In dem Seefahrtportal „Grosse-Seefahrt.de“ berichtet Andrej Ulrichs wie folgt über die Natur der Monsterwellen. „Das Kreuzfahrtschiff "Queen Elizabeth II" wurde im Februar 1995 während eines Hurrikans im Nordatlantik von einem 29-Meter-Brecher erwischt. Kapitän Ronald Warwick berichtete anschließend von einer "riesigen Wasserwand", die gewirkt habe wie die weißen Klippen von Dover. Kurz zuvor hatte eine "Freak Wave" die Nordsee-Bohrinsel "Draupner" getroffen. Ein Lasermessgerät an Bord stellte eine Höhe von 26 Metern fest. Im Südatlantik traf es Ende Februar 2001 binnen einer Woche gleich zwei Kreuzfahrtschiffe, die "Bremen" und die "Caledonian Star". In beiden Fällen durchschlugen Riesenwellen die Fenster der Kommandobrücken, die 30 Meter über der Wasseroberfläche liegen. Die "Bremen" trieb nach der Kollision zwei Stunden lang ohne Antrieb und Navigationssysteme auf hoher See herum.
"Die beiden Vorfälle ereigneten sich weniger als tausend Kilometer voneinander entfernt", erklärt Wolfgang Rosenthal, Wissenschaftler am GKSS Forschungszentrum in Geesthacht. "Bei der 'Bremen' fiel die komplette Elektronik aus, während sie parallel zu den Wellen im Wasser trieb. Während des Ausfalls dachte die Mannschaft schon, dass vielleicht ihr letztes Stündlein geschlagen haben könnte." Das gleiche Phänomen könne für den Untergang vieler Schiffe verantwortlich sein, glaubt der Forscher. "Im Durchschnitt sinken jede Woche zwei große Schiffe. Aber die Ursachen werden nie so gründlich untersucht wie zum Beispiel bei einem Flugzeugabsturz - es heißt dann immer nur 'schlechtes Wetter'." Zwar sind Wissenschaftler angesichts zuverlässiger Messungen wie denen von der "Draupner" inzwischen davon überzeugt, dass es die Monsterwellen tatsächlich gibt. Allerdings zeigten bisherige Statistiken, dass große Abweichungen vom normalen Seegang äußerst selten sind und im Schnitt nur alle 10.000 Jahre vorkommen sollten. Offenbar irrt die Statistik an dieser Stelle gewaltig.
weiter: Turboalge produziert Wasserstoff
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