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26.01.2007

Rollbares E-Paper geht in Serie


 

Werden schon bald Handys und Taschencomputer mit rollbaren Bildschirmen ausgestattet sein? In Großbritannien soll jetzt mit der Serienfertigung begonnen werden.

 

Von Jan Oliver Löfken 

 

Die Philips-Tochter Polymer Vision in Eindhoven und das britische Unternehmen Innos werden in diesem Jahr in Southampton die erste Fabrik weltweit aufbauen, in der pro Jahr 100.000 der flexiblen Display-Module hergestellt werden sollen. Die Kontakte zu potenziellen Kunden, vom Handyhersteller über Mobilfunkbetreiber bis zum Zeitungsverleger, seien in einem fortgeschrittenen Stadium, berichtet Polymer Vision.

Nach etwa zehn Jahren Forschung und zahlreichen Prototypen erwarten die Partner einen großen Markt für ihre zusammengerollt gerade mal einen Finger dicken Bildschirme. Ausgerollt hat der Monitor eine Diagobale von gut zehn Zentimetern. "Rollbare Displays sind die Zukunft für mobile Geräte", sagt Alec Reader von Innos. Die ersten Module, die ab der 2. Jahreshälfte produziert werden sollen, werden Texte und Bilder in 16 Graustufen darstellen können. Die Auflösung erreicht dabei 320 auf 240 Bildpunkte, der Kontrast ist mit etwa 10 zu 1 vergleichbar mit einer klassisch gedruckten Zeitung.

Herausragend im Vergleich zu starren Flachbildschirmen ist dabei der extrem geringe Stromverbrauch. Brauchen diese Monitore mit Flüssigkristallen noch eine Energie schluckende Hintergrundbeleuchtung, merkt sich das e-Paper den jeweils letzten Text ohne permanente Stromzufuhr. Erst für einen Wechsel der Anzeige müssen die Transistoren unter Spannung gesetzt werden, um die einzelnen Bildpunkte zu schalten und neu auszurichten. Mit einer Batterieladung ließen sich im Prinzip 300 Bücher lesen.

"Zusammengerollt ist das Display nicht dicker als ein Finger", sagt Thomas van der Zijden von Polymer Vision. So lässt sich dieses Anzeigemodul gut in größere Handys oder PDAs integrieren. Die eigentliche schwarz-weiße Anzeigetechnik des e-papers ist bereits länger ausgereift. Kern ist ein Mikrokugel-Prinzip, entwickelt und patentiert von der Firma E-Ink im amerikanischen Cambridge. Millionen winziger Kapseln, nur Tausendstel eines Millimeters groß, bewegen sich dabei zwischen zwei flexiblen Elektroden hin und her. Je nach Spannung werden entweder die negativ geladenen schwarzen Kügelchen oder die positiv geladenen weißen Gegenstücke sichtbar zur vorderen Elektrode gezogen. Geräte mit unrollbaren, elektronischem Papier sind bereits auf dem Markt verfügbar.

Der Schlüssel zum des flexiblen Bildschirms liegt in der rollbaren Elektronik. Statt auf Silizium griffen die Philips-Wissenschaftler um Gerwin Gelinck zu biegsamen, halbleitenden Kunststoffen. Aufgebracht auf eine Millionstel Meter dünne Schicht aus Polyimid konnten sie Tausende der elektronischen Schalteinheiten auf eine Trägerfläche bannen. War die Lebensdauer dieser Module bisher zu klein für eine Markteinführung, konnte dieses Problem nun überwunden werden. Mindestens drei Jahre soll das elektronische Papier halten und mehrere zehntausendmal seine Anzeige wechseln können.

Ob ein Graustufen-Display ohne Videotauglichkeit die Kunden überzeugen wird, bleibt abzuwarten. Doch weitere Verbesserungen sind angedacht. Der japanische Konzern Fujitsu konnte bereits einen vollfarbigen Prototyp präsentieren. Und in Eindhoven arbeiten die Forscher nehmen der Videotauglichkeit arbeiten die Forscher an einer Kombination des rollbaren Bildschirms mit einem beschreibbaren "Touch-Screen-Display".

"Zu Beginn wird der Preis über denen von LCD-Display liegen", sagt van der Zijden. Doch mit einer Masserproduktion von Millionen dieser Module wird der Preis wahrscheinlich in der gleichen Größenordnung wie diese etablierte Flachbildschirm-Technologie liegen. Vorteilhaft könnte sich dabei der etwas einfachere produktionsprozess auswirken, denn rollbare Monitoren verlangen nach weniger Arbeitsschritten und brauchen keine Hintergrundbeleuchtung. Innos und Polymer Vision werden abwarten müssen, wie gut sich ihre ersten Bildschirme vermarkten lassen. Steigt die Nachfrage über 100.000 Module pro Jahr, sind sie vorbereitet. "Die Fabrik in Southampton lässt sich ausbauen", so van der Zijden.

 

 

Jan Oliver Löfken

Diplom-Physiker und Wissenschaftsjournalist mit langjähriger Erfahrung bei Bild der Wissenschaft, Handelsblatt, FTD und als Wissenschafts-Redakteur bei DIE WELT, betreibt heute mit Kollegen die Hamburger Wissenschaftsagentur www.wissenschaft-aktuell.de

 

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