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 MaRS macht mobil!
MaRS – das klingt ganz nach Raumfahrt. Doch für den Kanadier Joseph Cordiano ist es ein ganz irdischer Begriff. Er will die Provinz Ontario zum "Musterländle" für LifeScience-Forschung machen
von Rolf Froböse
„Wir betreiben keine Forschung im Weltraum, sondern bieten Raum für die Forschung“, unterstreicht Joseph Cordiano, Minister of Economic Development and Trade der kanadischen Provinz Ontario die Strategie seiner Regierung. Und an diesem Raum mangelt es nicht – das gilt zumindest für Ontario und die Wirtschaftsmetropole Toronto.
Das Kürzel MaRS steht für „Medical and Related Sciences“. Dahinter verbirgt sich ein gerade eröffnetes 46.000 Quadratmeter großes Areal, auf dem Wissenschaftler, etablierte Unternehmen, Start-Ups, Beteiligungsgesellschaften und Zulieferer in direkter Nachbarschaft arbeiten. Auch architektonisch ist das Zentrum für Überraschungen gut. So beherbergt der vom Licht durchflutete Gebäudekomplex aus Glas und Stahl das im Jahre 1913 errichtete Toronto General Hospital, in dem weltweit erstmals im Jahre 1922 Diabetes-Patienten mit Insulin behandelt wurden. Heute haben sich in dem traditionsreichen Ambiente an Stelle von Patienten Unternehmen aus den Bereichen Pharmazie, Biotechnologie, Medizin, Informationstechnologie sowie eine Reihe von Investmentgesellschaften „häuslich“ niedergelassen.
Das Innovationszentrum, welches bis zum Jahre 2008 auf 120.000 Quadratmeter erweitert werden soll, dürfte weltweit seinesgleichen suchen. Mit dem Ziel, neue Maßstäbe für die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu setzen, ziehen bereits 50 Partner – darunter das Battelle Memorial Institut, die University of Toronto Innovations Foundation, der Canadian Medical Discoveries Fund, das Ontario Cancer Research Network und die Canadian Nanobusiness Alliance – gemeinsam an einem Strang.
Die Meßlatte liegt hoch: So haben sich die Partner haben das ehrgeizige Ziel gesetzt, ihre Forschungsergebnisse schnell in marktfähige Produkte umzusetzen. Dabei versprechen sich alle Beteiligten durch die räumliche Konzentration von Wissenschaft, Wirtschaft und Kapital wichtige Innovationen in den Bereichen Medizin und LifeSciences. Ähnliches gilt für die räumliche Nähe zur University of Toronto. Aktuelle Forschungsvorhaben zielen unter anderem auf verbesserte Tumortherapien, e-Health und Genomic Computing ab. Seitens der Regierung wurden bisher umgerechnet rund 40 Mio. Euro in das Projekt investiert.
MaRS ist nur eine von vielen Speerspitzen der Bio-Tech-Aktivitäten Ontarios. Vielmehr ist die kanadische Wirtschaftsregion Nummer Eins gerade dabei, ihre internationale Spitzenposition auf diesem Sektor weiter auszubauen. Mit über 100 Biotech-Unternehmen vor Ort, knapp 600 Herstellern medizinischer Geräte, 60 Forschungszentren und über 42.000 Mitarbeitern bietet die Region auch ausländischen Investoren ein äußerst attraktives Umfeld. Ähnliches gilt für Joint-Ventures. So gewährt die Region attraktive Steuervergünstigungen für Forschung und Entwicklung, die zu den großzügigsten Fördermaßnahmen weltweit gehören. Unternehmen wie AstraZeneca, Bayer, Boehringer Ingelheim, Novartis usw. sind bereits „vor Ort“ ansässig.


Dr. Rolf Froböse
ist Wissenschafts- und Wirtschaftsjournalist in den Bereichen Chemie, Biotechnologie, Umwelt, Energie, Raumfahrt, Medizin, IT-Technik und erfolgreicher Buchautor.
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