"Das Schönste, was es gibt!"



Bas Kast / Foto: Sven Paustian

 

Der Berliner Wissenschaftsjournalist Bas Kast zu Liebe, Leidenschaft und die Frage, ob die moderne Forschung ein Patenrezept für eine glückliche Beziehung hat...

 

Romatische Liebe als biochemischer Prozeß: Noch vor kurzem löste ein solcher Gedanke bei vielen Menschen eine heftige Abwehr aus. Das scheint sich inzwischen geändert zu haben, oder?

Na ja, es mag den einen oder anderen geben, den das immer noch stört. Es gibt Leute, die wollen nur eine Beschreibungsebene zulassen, und die ist dann die einzig gültige. Komisch, als würde man sich was wegnehmen. Dabei geht es doch um Ergänzungen? Gerade so etwas Komplexes wie die Liebe lässt sich nur erfassen, wenn man alle Seiten berücksichtigt. Was sagen Biologen dazu? Was haben Psychologen herausgefunden? Evolutionstheoretiker, Paarforscher, auch Dichter und Denker – in meinem Buch habe ich versucht, viele Stimmen zu berücksichtigen.

Aus der Sicht der Wissenschaft: Warum gibt es Liebe und Leidenschaft?

Rein biologisch gesehen und damit sehr verkürzt sind Leidenschaft und Liebe die Tricks der Natur, zwei Menschen aneinander zu binden. Sie sind ein Beziehungskitt, dazu gedacht, dass die beiden ihre Gene kopieren.

Das "egoistische Gen" hat in unserer Gesellschaft ja den Kampf scheinbar verloren. In einer Zeit, in der Kinder immer mehr in den Hintergrund treten: Welche Funktion hat da noch die Liebe?

Da sieht man, die Liebe besteht eben aus vielen Facetten, und es geht nicht nur um Reproduktion. Die Liebe gibt uns Geborgenheit, Sicherheit, sie gibt uns das Gefühl, dass da jemand ist, der uns mag, so wie wir sind, jemand, der für uns da ist, was auch immer passiert. In einer Welt, in der Anonymität und Unsicherheit stetig zunehmen, gibt es vermutlich nichts Wertvolleres. Auch für mich persönlich ist die Liebe das Größte und das Schönste, was es gibt. Deshalb habe ich bei der Recherche für mein Buch auch danach gesucht, wie uns die Wissenschaft dabei helfen kann, diesen Zauber länger genießen zu können.

Ihr Buch erklärt, was die Forschung über Mechanismen der Liebe herausgefunden hat und ist zugleich Ratgeber. Was ist Ihnen dabei besonders wichtig?

Eben diese Mischung: handfester Rat. In den Buchhandlungen wimmelt es von Liebesratgebern – aber woher beziehen diese Autoren eigentlich ihren Rat? Da ist einiges Gutes, aber auch sehr viel Schrott, was mich ärgert. Es geht um die wichtigste Sache der Welt, da möchte ich doch Tipps bekommen, die sich durch irgendetwas begründen lassen!

Und da kommt für mich als erstes die Wissenschaft in Frage. Lange war Forschern das Phänomen Liebe zu kompliziert. Jetzt aber entschlüsseln sie die Mechanismen der Beziehung. Es gibt „Liebeslabors“, in denen man Paare systematisch beobachtet, um zu sehen, was ihre Erfolgsfaktoren sind – oder woran sie scheitern. Die Erkenntnisse können jedem bei seiner eigenen Partnerschaft helfen.

Die meisten Menschen träumen wohl von einer langen, glücklichen Beziehung. Nun werden wir heute älter als unsere Ahnen und wir spüren weniger den ökonomischen und sozialen Druck, der früher Ehen zusammengehalten hat.  Ist da die "große Liebe" nicht längst ein Trugbild von gestern geworden?

Es ist natürlich schwer, die große Liebe zu beweisen. Aber es gibt diese Paare, die für immer zusammenbleiben und die noch nach 21 oder 50 Jahren Ehe glücklich miteinander sind. Für manche ist das vielleicht nichts, okay. Aber da, wo die Wissenschaft aufhört, da fängt eben der Glaube an. Und ich glaube an die Liebe.

Gibt es ein Patentrezept für eine lange und glückliche Beziehung?

Ich habe für mein Buch Hunderte von Studien ausgewertet und ehrlich gesagt kein Patentrezept gefunden. Aber da gibt es schon ziemlich gute Tipps. Zum Beispiel gemeinsame Aufregung. In einem Versuch hat sich gezeigt, dass Paare, die im Schnitt seit über 14 Jahren verheiratet waren, glücklicher mit ihrer Ehe waren, nachdem sie zwei Monate lang immer mal wieder etwas Aufregendes unternommen hatten, zum Beispiel Bergsteigen.

Für solche Studien ist die Wissenschaft auf statistische Beobachtungen angewiesen. Aber Statistik ist nicht der Einzelfall. Wie sollen die Leser also Ihr Buch lesen?

Wie immer sie das mögen. Aber Sie haben schon Recht: Die Gesetze der Liebe, die ich herausgearbeitet habe, sind eher Spielregeln, keine festen Naturgesetze, die sich nicht brechen ließen. In der Liebe ist alles möglich. Vor allem hoffe ich, dass man Spaß beim Lesen hat.

Der Journalist Wolf Schneider hat mal geschrieben: Bei einem Text gibt es immer einen, der sich die Arbeit machen muss, der Autor oder der Leser. Ich habe mir Mühe gegeben, so einfach wie möglich zu schreiben, um dem Leser möglichst viel Mühe abzunehmen. Es heißt ja, wenn es nur einen Menschen gibt, den man glücklicher machen kann, dann ist das schon sehr viel. Das wünsche ich mir.

 

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