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22.05.2005

Heirat ist die beste Therapie!?



Bild: photocase.de

 

Deutschland -einig Single-Land. Immer weniger Deutsche entscheiden sich für die Ehe und zugleich zunehmend mehr Paare für eine Scheidung. Dabei zeigen Studien, dass die Ehe durchaus positiv für das physische und psychische Wohlbefinden des Menschen ist.

 

von Janet Lehmann

 

Tu dir was Gutes - und heirate! So oder ähnlich könnte ein Werbeslogan lauten, der das Ziel hat, mehr deutsche Paare im Bund der Ehe zu vereinen. Denn wie deutsche Statistiken schon seit einiger Zeit zeigen, entschließen sich nicht nur von Jahr zu Jahr immer weniger Pärchen zu heiraten, sondern auch mehr und mehr Ehepaare aus der Ehe zu flüchten, sprich sich scheiden zu lassen.

So ist allein die Anzahl der Eheschließungen im Jahr 2000 von ca. 418.000 auf knappe 392.000 im Jahr 2003 gesunken. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der Scheidungen seit 2000 um etwa 5 Prozent auf 204.000. Dass mit diesem gesellschaftlichen Trend, möglicherweise, auch die Gesundheit der deutschen Bevölkerung in Gefahr ist, scheint dabei den wenigsten „wilden Ehen“ und überzeugten Singles klar zu sein.

Neuesten Forschungen zufolge stellt nämlich die Ehe einen wichtigen Faktor für das gesundheitliche Wohlbefinden eines Menschen dar. So verweisen unter anderem eine ganze Reihe amerikanischer Sozialstatistiken auf die gesundheitlichen Vorteile einer Ehe, insbesondere in Hinsicht auf das weitaus geringere Vorkommen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfällen und Krebsgeschwüren bis hin zu einem geringeren Selbstmordrisiko bei Verheiraten.

Bekannt ist auch, dass eine Ehe die Wahrscheinlichkeit verringert, im Laufe des Lebens an psychischen Störungen zu erkranken, denn „zu fühlen, dass man geliebt wird und sich umeinander kümmert, verbessert das emotionale Wohlbefinden, indem es Depressionen und Ängste verringert und psychische Kräfte wie Selbstachtung, Selbstbeherrschung und Selbstvertrauen steigert,“ so Linda Waite, Professorin für Soziologie an der Universität Chicago.

Ihrer Aussage zufolge, verbessere die Lebensgemeinschaft nicht nur die körperliche und psychische Gesundheit eines Menschen, sondern führe auch zu einem längeren Leben.Begründet wird dies mit dem höheren Grad an gegenseitiger Unterstützung, dem Schutz gegen soziale Isolation und der wirtschaftlichen und sozialen Absicherung in einer Ehe.

Eine andere Studie, die diese Aussage unterstützt, wurde 2002 vom Australier David de Vaus veröffentlicht und besagt, dass verheiratete Paare weitaus seltener an seelisch-geistigen Störungen erkranken und Sucht- sowie Angstkrankheiten bei ihnen seltener auftreten als bei Geschiedenen oder Unverheirateten. Feministischen Kritikern wird außerdem entgegenhalten, dass verheiratete Frauen, die Kinder großziehen, die wenigsten Probleme mit ihrer psychischen Gesundheit haben. Der Studie nach, ist das Risiko einer Gemütskrankheit bei Frauen viel höher, wenn sie alleine leben.

Doch ist die Ehe wirklich uneingeschränkt förderlich für das gesundheitliche Wohlbefinden? Amerikanische Forscher, die sich mit dieser Frage beschäftigten, fanden in mehrjähriger Arbeit heraus, dass auch die Qualität der Ehe die Gesundheit der Partner beeinflusse, und dabei nicht ausschließlich im positiven Sinne. Sie entdeckten, dass Stress in der Beziehung zu einer verstärkten Ausschüttung des Stresshormons Cortisol führe und dies wiederum das menschliche, insbesondere weibliche, Immunsystem schwäche.

Im Gegensatz dazu, würde ein harmonisches Miteinander zwischen den Partnern die körpereigenen Abwehrkräfte stärken und so unter anderem eine schnelle Wundheilung ermöglichen. Eine schwedische Studie kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass Anspannung in der Ehe Frauen nicht nur weitaus stärker belaste als bislang angenommen, sondern das weibliche Geschlecht unter diesen Umständen auch ein erhöhtes Risiko für Herzbeschwerden aufweise. Beziehungsgestresste Frauen lebten quasi ungesünder, setzten sich mehr gesundheitlichen Risiken aus und Stress, Depressionen, Feindseligkeit und innere Wut würde bei ihnen häufiger auftreten als bei glücklich verheirateten oder Single-Frauen.

Als Ursache führen die schwedischen Forscher die Tatsache an, dass Frauen mehr als Männer von der Unterstützung ihres Ehepartners abhängig sind und sich emotionale Belastung und mangelnde Unterstützung weitaus mehr auf deren physische und psychische Gesundheit auswirkten. Frauen, die demnach mit ihrer Beziehung sehr zufrieden sind, verfügen weniger häufig über biologische und psychologische Risikofaktoren für Bluthochdruck, hohes Cholesterin, zuviel Körperfett, Depressionen, Ängste und Ärger.

All diese Ergebnisse machen eine Entscheidung hinsichtlich des gesundheitlichen Nutzens der Ehe schwer. Und sie bringen neue Fragen auf. Wie verhält es sich zum Beispiel mit unverheirateten aber trotzdem langjährigen und innigen Partnerschaften, und, wird die kostenlose Verschreibung einer Ehe (oder Scheidung) zur Gesundheitsförderung bald zur alltäglichen Praxis eines jeden Allgemeinmediziners und Psychologen zählen? Was bleibt ist wohl, abzuwarten und sich auf das zu besinnen, was die Ehe eigentlich ist – ein Bund von zwei Menschen, die sich lieben.

 

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Im Internet:

Statistisches Bundesamt Deutschland. Angaben über die Anzahl deutscher Eheschließungen und Scheidungen seit 2000.



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