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Weg mit dem Speck



Bewegung braucht das Tier.

 

Ein Drittel aller Hunde und Katzen leidet an Übergewicht. Dadurch werden nicht nur die Tiere krank: Das Übergewicht unserer Schützlinge kann Folgen für das Zusammenleben von Mensch und Tier haben.

 

Von
Anna-Maria Gerhart

 

Übergewicht bei Haustieren? Ist das ein Problem? Und ob! In Berlin können Haustiere sogar mit ihrem Übergewicht in die Schlagzeilen geraten. Wie Kater Mikesch, der bei seiner Einweisung in das Tierheim Berlin am 1. April 2004 immerhin 18 Kilo wog. Ein weiterer Fall im Tierheim Berlin war ein knapp 5-jähriger Rottweiler, der satte 65 Kilo auf die Waage brachte, wobei sein Normalgewicht bei 35 liegt. „Der war schon quadratisch, das ist schon Tier-quälerei“, so Dirk Biller, Hundetierpfleger im Tierheim Berlin.

Gründe für Übergewicht können beispielsweise zu energie-reiches Futter, zu wenig Bewegung oder auch Hormon-störungen durch Kastration sein. Darüber hinaus neigen Weibchen eher zu Übergewicht als Männchen wie auch ältere Hunde eher zu Gewichtszunahme neigen als junge. Die enge Beziehung zu den Ess- und Lebensgewohnheiten des Menschen sind zudem ein wichtiger Faktor. Das Essen zu bestimmten Zeiten und das Faulenzen im Sessel sind auf die Dauer für das Tier nicht artgerecht.

Auch neigen Tiere, die in einem Haushalt mit mehreren Tieren leben, zu Futterneid, was dazu führt, dass sie über das Sättigungsgefühl hinweg fressen. Dirk Biller beobachtet dies seltener im Tierheim, da die Tiere hohem Stress durch Besucher und die neue Umgebung ausgesetzt sind. Die Mehrzahl von ihnen nimmt im Tierheim eher ab. Bei schon übergewichtigen Tieren dagegen ist es weiterhin schwer, ihr Gewicht zu reduzieren, da ihr Stoffwechsel und somit auch das Hungergefühl sich nicht so schnell umstellen lassen.

Aufmerksam auf die hohe Anzahl der fettleibigen Tiere machte der 2003 veröffentlichte Bericht des Wissenschaftsrats der staatlichen Forschungseinrichtung NRC in den USA. Neben der Erläuterung der erhobenen Daten geht der Bericht auch darauf ein, dass ein dicker Bauch schwerwiegende Folgen mit sich bringt.

Diabetes, Überfettung der Leber, Gelenkbeschwerden aber auch Herzprobleme sind oft die Folge. „Wenn die Tiere zu fett sind, muss das Herz weitaus mehr arbeiten, mehr Blut durch die Organe pumpen. Das kann frühzeitig zu einer erhöhten Herzbelastung und Herzproblemen führen. Herzinfarkt, Schlaganfall, das alles ist auch bei Tieren möglich. Sie können davon ausgehen, dass die Krankheiten, die Menschen haben, auch Tiere haben können“, so Till Robl, praktischer Tierarzt aus Berlin. Krankheiten, die das Leben des Tieres beeinträchtigen, belasten zudem den Besitzer, da das Tier zum einen in seiner Bewegungsfreude eingeschränkt ist, Spaziergänge somit zur Qual werden und zum anderen dadurch auch höhere Tierarztkosten enstehen. Im schlimmsten Fall findet das Zusammenleben von Mensch und Tier ein frühes Ende durch den Tod des Tieres.  

Doch woran erkenne ich, ob mein Hund oder meine Katze übergewichtig ist? Generell gilt, dass ein Fettgehalt von 20-22% bei Hunden das normale Maß ist. Was darüber liegt, gilt als „adipös“, verfettet. Als Tierbesitzer kann man aber Übergewicht auch daran erkennen, wenn das Haustier sprichwörtlich ‚zu viel auf den Rippen hat’, die Rippen also nicht ertastbar sind. Bei Katzen sollte man auf Fettpölsterchen im Katzengesicht und an den Gliedern wie auch schwer-fälligere Bewegungen achten, da diese Indiz für ein erhöhtes Körpergewicht sind. Um eine genaue Aussage zum Gewicht des Tieres zu erhalten, kann der Tierarzt bei Hunden eine Brustumfangmessung durchführen. Bei Katzen wird der sogenannte Feliner Body Mass Index bestimmt.

Wie aber bringt man seinen Schützling zum Abnehmen? Viel Bewegung, geringere Futtermenge, Verabreichung von Diätmitteln und regelmäßiges Wiegen des Tieres. Katzen, die naturgemäß nicht gehörig sind und sich somit ungern zu etwas zwingen lassen, muss man mit einem Kratzbaum und vielem Spielen zu Bewegung animieren. Eine Fastenkur für Tiere kann man, wenn überhaupt, nur mit Hunden durchführen. Bei Katzen würde dies zu einer Überfettung der Leber und somit zum Tod führen. Somit gilt auch hier, was für den Menschen gilt: langsam aber konsequent. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass sich das Tier seine Futterration nicht beim Nachbarn holt.

Doch zunächst besteht das Problem, dass der Tierbesitzer über die Fettleibigkeit seines Schützlings informiert werden muss. Als Tierarzt, so Till Robl, „muss man allerdings sehr vorsichtig sein. Ich kann es direkt sagen, dann geht es aber ins eine Ohr rein, und aus dem anderen raus.“ Denn der Tierbesitzer fühlt sich schnell persönlich angegriffen, wenn sein Schützling kritisiert wird.

 

 

Anna-Maria Gerhart

studiert Anglistik/Amerikanistik, Publizistik und Politik an der Freien Universität Berlin sowie an der Humboldt Universität

Der Beitrag entstand im Rahmen eines Seminars für Online-Journalismus im SS 04 an der Freien Universität Berlin, Inst. f. Publizistik.

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