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21.06.2004

Der heimliche Duft der Verführung



Bild: photocase.de

 

Schon die Völker des Altertums wußten bereits die anregende Wirkung parfümähnlicher Substanzen, um es einmal vorsichtig auszudrücken, zu schätzen. Der Ursprung des Parfüms verliert sich allerdings in Zeiten und Kulturen der langen Geschichte der Menscheit und ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. Nachweislich bekannt ist aber, dass “Parfüm” bereits vor 4000 - 5000 Jahren benutzt wurde.

Die heutige Bezeichnung Parfüm stammt übrigens vom lateinischen “per fumum” und bedeutet soviel wie “durch den Rauch”. Dahinter steckt eine uralte Tradition, die sich über Jahrtausende hinweg durch die Geschichte der Menschheit zog. So versuchten bereits lange vor den Römern die auf dem Territorium des heutigen Irak lebenden Sumerer, mit den Göttern “durch den Rauch” zu sprechen. “Parfüms”, deren Rezepturen und Zubereitungsarten strikt den Priestern vorbehalten waren, wurden angezündet und ermöglichten den Göttern wiederum, so die Vision der damaligen Menschen, “durch den Rauch” zur Erde hinab zu steigen.

In etwa zeitgleich entdeckten auch die Ägypter die Lust am Duft. Der Wohlgeruch war bei ihnen allerdings – ähnlich wie bei den Griechen und Römern – nicht mehr ausschließlich den Göttern vorbehalten. Jeder durfte im Prinzip nach Herzenslust duften, sofern er es sich leisten konnte.

Eine von denen, die sich über das nötige “Kleingeld” keine Gedanken machen mußte, war keine Geringere als Kleopatra. Von ihr ist überliefert, dass sie sich eine Menge einfallen liess, um den römischen Feldherrn Marc Antonius zu verführen. Zur Vorbereitung einer Romanze soll sie zunächst den Zimmerboden mit Rosenblättern ausgelegt und danach ihren Körper mit einer Mischung aus Jasminöl, Rosenöl und Honig gesalbt haben.

Bei einigen wohlhabenderen Ägyptern war es wiederum beliebt, sich anläßlich eines Festes einen mit Duftstoffen angereicherten Salbkegel auf den Kopf zu setzen. Im Laufe der Feier schmolzen die Fette, zerliefen über die Perücke und durchtränkten sie mit Duftstoffen. So blieb gewährleistet, dass der Duft lange anhielt. Geradezu unerlässlich war die Einbalsamierung des Körpers mit stark duftenden Harzen und Ölen bei der Bestattung der Toten. Nach dem altägyptischen Glauben war die Erhaltung eines vollkommenen Körpers Voraussetzung für ein Leben nach dem Tod.

Sind die uns heute bekannten Ursprünge des Parfüms noch eng mit religiösen Handlungen verknüpft, so ist dieser Aspekt doch allmählich in den Hintergrund zugunsten seines Gebrauchs als Luxusartikel gerückt. Jahrtausende lang zogen Karawanen durch die Wüsten, überquerten unwegsames, bergiges Gelände. Jahrtausende befuhren Schiffe die Meere. Neben allen anderen Gütern wurden so Bestandteile, die man zur Herstellung von Parfüms benötigte, von einem Land zum anderen befördert: Duftende Essenzen, wertvolle, seltene Kräuter und Gewürze, unendlich kostbare tierische Produkte wie Ambra, Moschus und Zibet gehörten dazu. Betörend zu duften wurde ein Symbol für Macht, Reichtum und Überfluss. Der duftende Siegeszug des Parfüms durch die Jahrhunderte und Jahrtausende war schließlich nicht mehr aufzuhalten.

Parfüms im heutigen Sinne – eine Mischung aus Alkohol und ätherischen Ölen – wurde erstmalig im 14. Jahrhundert hergestellt, nachdem es um 1200 gelungen war, aus Wein eine hoch konzentrierte Alkohollösung zu destillieren. Diese Duftwässer waren gleichzeitig auch Medizin gegen alle möglichen Leiden und Ansteckungsgefahren. Im 15. Jahrhundert erlebten die Italiener, das damals reichste Volk Europas, einen triumphalen Erfolg der Duftwässer. Vor allem in der Seehandelsrepublik Venedig war der Umgang mit Parfüms nahezu verschwenderisch.

Von Italien aus verbreitete sich die Parfümherstellung zunächst verstärkt nach Frankreich. Unter Ludwig XIV, dem berühmten Sonnenkönig, wurde der Parfümgebrauch in Frankreich höchst populär. Ende des 18. Jahrhunderts erschien schließlich das erste “Eau de Cologne” auf dem Markt und trat in Konkurrenz mit den schweren Düften der Vergangenheit. Hergestellt wird es bis heute nach einem Rezept des Italieners Giovanni Maria Farina. Nach der französischen Revolution war der Gebrauch der Duftwässer kurzzeitig verpönt.

Erst Napoleon Bonaparte, dem nachgesagt wird, dass er eine Vorliebe für das leichte Eau de Cologne hatte, machte das Parfümieren wieder gesellschaftsfähig. Frankreich ist bis heute das Zentrum der Parfümindustrie geblieben. Die südfranzösische Stadt Grasse, in deren Umgebung bereits seit Jahrhunderten Duftpflanzen angebaut werden, hat sich als Parfümstadt einen Namen gemacht.

Heute ist der Gebrauch von Parfüms selbstverständlich und gehört zum täglichen Leben dazu. Der duftende Hauch von Luxus rundet die gepflegte Erscheinung von Frauen und Männern gleichermaßen stilvoll ab. Dank der heutigen Möglichkeiten eine Fülle synthetischer Grundstoffe herzustellen, ist der Phantasie der Parfümeure keine Grenze mehr gesetzt. Für die Komposition eines neuen Duftstoffes stehen dem Parfümeur heute rund 32.000 Grundsubstanzen zur Verfügung, von denen ein “geübter Meister seines Fachs”  rund 3.000 unterscheiden und erkennen kann.

Liebe: Alles nur Chemie?

 

 

Gabriele Froböse studierte in Göttingen Chemie und Anglistik. Nach Tätigkeiten im Schuldienst, bei der Deutschen Elektrotechnischen Kommission im DIN und VDE (DKE) sowie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) schreibt sie seit 1984 als freie Fachjournalistin für die Fach- und Publikumspresse über Themen aus den Bereichen Chemie, Medizin und Life Sciences.

Dr. Rolf Froböse arbeitete nach dem Studium der Chemie in Göttingen als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Max-Planck-Gesellschaft, war Ressortleiter beim Technologiemagazin “highTech” und Chefredakteur der Zeitschriften “Chemische Industrie” und “Europa Chemie”. Seit 1995 berichtet er als freiberuflicher Wissenschafts- und Wirtschaftsjournalist über Themen aus Forschung und Technik.

Weitere Informationen über die Autoren finden Sie auf ihrer Homepage unter www.froboese.com

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