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 Liebe auf den ersten Blick
Wenn die “Liebe auf den ersten Blick” bei einem Menschen “einschlägt”, fällt Gegenwehr schwer. Dafür sorgt schon unser vegetatives Nervensystem.
“Liebe ist, wenn das Verlangen, begehrt zu werden, dich so heftig anfällt, dass du glaubst, daran zu sterben.” (Henri de Toulouse-Lautrec, franz. Maler, 1864-1901)
“Als ich sie das erste Mal sah, traf es mich wie ein Blitz.” Ein Satz, der die berühmte “Liebe auf den ersten Blick” nicht ausdrucksvoller beschreiben könnte. Bei Bianca und Michael war es ganz ähnlich, als sie sich erstmals auf der Party eines gemeinsamen Freundes begegneten. Und heute wissen sie auch, dass es alles andere als nur ein kurzes “Strohfeuer” war.
Unsere Sinne sind die Pforte für die uns erreichenden Reize – das gilt für den Sehvorgang ebenso wie für das Gehör, den Geschmack, den Tast- und Geruchssinn. All diese Informationen werden in einem komplexen Wechselspiel unter Beteiligung von elektrischen Feldern, Neurotransmittern und Hormonen – über die wir in den folgenden Kapiteln noch ausführlicher berichten werden – selektiert, weitergeleitet, verarbeitet und letztendlich wahrgenommen und zu einer persönlichen Erlebniswelt zusammengefügt. Und wenn die “Liebe auf den ersten Blick” bei einem Menschen “einschlägt”, dann ist es offenbar ein Vorgang, an dem auch sein vegetatives System in hohem Maße beteiligt ist. Mit anderen Worten: Die Gegenwehr, sofern sie überhaupt “gewollt” ist, fällt offensichtlich schwer.
Auch die französische Chansonette Édith Piaf wußte von diesen Reaktionen der Körperchemie offensichtlich ein Lied zu singen. In einer Biographie heißt es wörtlich: “Sie verliebte sich immer gleich auf den ersten Blick. Ihr Verlangen nach Liebe hielt sie so in Spannung, dass ihre Hände im Schlaf zu Fäusten geballt waren. Die Liebe ergriff sie total.”
Immerhin hat sich die Wissenschaft mit dem Phänomen der “Liebe auf den ersten Blick” bereits ernsthaft beschäftigt. Genaueres hat eine Studie an der Forschungsstelle für Humanethologie der Max-Planck-Gesellschaft in Andechs im Jahre 1990 zu Tage gefördert. Resümee: Die Liebe auf den ersten Blick gibt es tatsächlich, sofern dieser Blick mindestens 30 Sekunden dauert – und – er wird von Frauen eindeutig häufiger als von Männern “riskiert”.
Diese Erkenntnis gewannen Dr. Karl Grammer und Dr. Christiane Doermer-Tramitz dank der Mithilfe von 300 Schülerinnen und Schülern aus Gymnasien in München und Umgebung, die im Schnitt 18 Jahre alt waren und sich im Interesse der Wissenschaft in einem sogenannten Flirtexperiment ein wenig “hereinlegen” liessen. So wurden jeweils eine Schülerin und ein Schüler, die sich nicht kannten, während eines Vortrages unter dem Vorwand, dass sie dort einen Videofilm auswerten sollten, in einen anderen Raum gebeten. Dort allerdings verließ sie der Versuchsleiter wegen eines dringenden Telefonats sofort, wobei das alleingelassene Paar dann allerdings während der nächsten zehn Minuten mit einer versteckten Kamera gefilmt wurde.
Danach mußten die “Flirt-Probanden” jeweils für sich mit Hilfe eines Fragebogens beichten, was sie empfunden hatten: wie attraktiv man den Teampartner fand, wie sicher und stark oder auch unsicher und schwach man sich selbst einschätzte, wie groß das gegenseitige Interesse aneinander offenbar war, und wie groß auch die Angst, vom gegenüber womöglich abgelehnt zu werden. Diese Angaben wurden dann mit den Aufzeichnungen der versteckten Kamera verglichen, wobei sich die Forscher vor allem auf das Sprach- und Blickverhalten ihrer “Versuchspaare” konzentrierten. So fanden sie heraus, dass die 30 Sekunden des “ersten Blicks” für den Verlauf einer solchen Begegnung in aller Regel entscheidend sind.
Dabei zeigte sich unter anderem, dass eine Frau um so rascher den Blickkontakt mit einem Mann sucht, je attraktiver sie ihn findet. Sie redet mehr, wobei sie meist Fragen allgemeiner Natur stellt. Allerdings scheint der Mann dadurch, dass er ihr gefällt, bei ihr eine gewisse Unsicherheit auszulösen, was sich in der Art ihres Sprechens äußert: Die Anzahl der Fülllaute wie “ah”, “oh” oder “hey” nimmt ebenso zu, wie jene grammatischen Fehler, die sich vor allem in unvollendeten Sätzen zeigen.
Gefällt eine Frau einem Mann, so zeigt er ein ähnliches Verhalten. Auch er sucht immer häufiger Blickkontakt und signalisiert sein Interesse zudem durch viele Fragen, was offenbar zugleich das Interesse an ihm verstärkt. Denn je weniger ein Mann spricht, so ergaben die Untersuchungen, desto weniger empfindet ihn sein weibliches Gegenüber als attraktiv.
Allerdings muß das anfänglich wortkarge Verhalten eines Mannes gegenüber einer Frau umgekehrt nicht unbedingt bedeuten, dass sie ihm nicht gefällt: Große Gesprächsbereitschaft zeigt ein Mann offenbar nur dann, wenn er selbstsicher ist. Andernfalls kann es sein, dass er selbst eine ihn sehr interessierende Frau nur “anschweigt” oder lediglich ein holpriges Gepräch zustande bringt, bei dem er sich recht zurückgezogen verhält und auch den Blickkontakt scheut.
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Gabriele Froböse studierte in Göttingen Chemie und Anglistik. Nach Tätigkeiten im Schuldienst, bei der Deutschen Elektrotechnischen Kommission im DIN und VDE (DKE) sowie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) schreibt sie seit 1984 als freie Fachjournalistin für die Fach- und Publikumspresse über Themen aus den Bereichen Chemie, Medizin und Life Sciences.
Dr. Rolf Froböse arbeitete nach dem Studium der Chemie in Göttingen als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Max-Planck-Gesellschaft, war Ressortleiter beim Technologiemagazin “highTech” und Chefredakteur der Zeitschriften “Chemische Industrie” und “Europa Chemie”. Seit 1995 berichtet er als freiberuflicher Wissenschafts- und Wirtschaftsjournalist über Themen aus Forschung und Technik.
Weitere Informationen über die Autoren finden Sie auf ihrer Homepage unter www.froboese.com |
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