 Die Sprache des Todes
Wenn man bei der Ahnenforschung darauf stößt, dass der Ururgroßvater an der "Phthisis" gestorben ist, was hatte er dann?
Von Doris Mrazek
Nur sehr spezielle Lexika können hier weiterhelfen und die Antwort "Tuberkulose" liefern. Dass Krankheiten noch vor hundert Jahren ganz andere Namen hatten als heute, kann aber auch die Bevölkerungsentwicklungsforschung in die Irre führen. Um wirklich zu verstehen, welche Seuchen wann wo verheerend wirkten und warum sie anderswo eingedämmt werden konnten, muss die "Sprache des Todes" früherer Jahrhunderte erforscht werden.
An der University of Michigan hat sich ein Wissenschaftlerteam des Zeitraums 1850 bis 1912 angenommen und erforscht in dem Projekt "Grammars of Death" die Entwicklung des Krankheitsverständnisses, das mit bestimmten Namen einhergeht. In der Fachzeitschrift "Social Science History" haben die Forscher die Haupttodesursachen jener Zeit dargestellt.
"Die Art, wie Menschen Todesursachen vor hundert Jahren beschrieben, war sehr verschieden von unserer heutigen Terminologie", erklärt Susan Hautaniemi Leonard von der University of Michigan. "Um zu verstehen, warum Sterblichkeitsraten sanken, oder welche Faktoren zur Verbreitung ansteckender Krankheiten beitrugen, müssen wir unbedingt mit hoher Genauigkeit wissen, woran Menschen in der Vergangenheit wirklich gestorben sind."
Zusammen mit dem Historiker Myron Gutman und dem Soziologen Douglas Anderton wertet die Sozialwissenschaftlerin Tageszeitungen, Fachzeitschriften und ärztliche Aufzeichnungen aus der Zeit zwischen 1850 und 1912 aus.
Wenn Krankheiten so hießen, wie sie auch heute heißen, sind aus den Quellen Änderungen von Epidemie-Verläufen aufgrund bestimmter Maßnahmen leichter zu erkennen.
So hat eine Pocken-Epidemie zwischen November 1870 und Februar 1871 in einer Papiermühle 47 Arbeiter dahingerafft. Als es an diesem Ort zehn Jahre später nochmals zu einer Pocken-Epidemie kam, starben "nur" noch 15 Menschen. Der Bau eines so genannten Pest-Hauses sowie die gesetzlich geschaffene Quarantäne-Möglichkeit hatte zu diesem besseren Ergebnis beigetragen.
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