26.04.2004

Saurier-Männchen starben einsam


 

Hat ein Bombardement aus dem All die Saurier ausgelöscht? Oder fanden sie einfach nur keine Weibchen mehr?

 

von Dörte Saße

 

Sind die Saurier nun ausgestorben, weil ein gigantischer Meteoriteneinschlag die Himmel verdunkelte und das Erdklima kälter wurde? Zwar scheint diese Katastrophe zumindest indirekt das Ende der Saurier stark beeinflusst zu haben, doch nichts Genaues wissen auch die Experten immer noch nicht. Jetzt liefern britische Forscher eine neue Theorie, die sie per Rechenmodell untermauern: Den Sauriern könnten wegen der Abkühlung einfach die Weibchen rar geworden sein.

Denn sollte bei ihnen das Geschlecht der schlüpfenden Jungtiere durch die Umgebungstemperatur der im Sand vergrabenen Eier bestimmt worden sein -- wie bei den mit ihnen verwandten Krokodilen -- dann wären durch die Klimaveränderung vermutlich deutlich mehr Männchen geschlüpft. Per Computersimulation zeigen die Forscher, dass ein sehr unausgeglichenes Geschlechterverhältnis eine Spezies nach rund 50 Generationen aussterben lässt.

"Einige Reptilien, einschließlich aller heute bekannten Krokodile, viele Schildkrötenarten und einige Echsen, nutzen umwelt- oder temperaturabhängige Geschlechtsbestimmung", schreibt das Team um David Miller von der University of Leeds im Fachblatt "Fertility and Sterility". Die Mediziner entwickelten ihr Modell auf der Grundlage der versammelten Literatur zum Thema Reproduktion ausgestorbener Spezies bis hinunter auf die molekulare Ebene.

Sie sind nicht die ersten, die diese Idee in der Saurier-Diskussion vorbringen -- doch sie untermauern die Theorie mit mathematischen Simulationen, die zeigen sollten: Wie schnell stirbt eine Spezies aus, wenn das Geschlechterverhältnis vom Schnitt 50:50 abweicht? Beträgt das Verhältnis nur noch 80:20 für die Männchen, so dauert es laut Miller und Kollegen gerade einmal 50 Generationen. Auf die Saurier übertragen, bedeutet das rund 500 bis 1000 Jahre.

Allerdings ist die Theorie nach wie vor umstritten. Schließlich hätten auch die Krokodile überlebt, die es vor 65 Millionen Jahren bereits gab. Miller vermutet, dies könne an der kürzeren Lebensdauer der Krokodile liegen. Zudem lebten diese Tiere immer in der Nähe von Flussläufen, welche Temperaturschwankungen abpuffern.

Auch heute leben sie in gemäßigten Klimazonen, in denen starke Wärmeschwankungen ausbleiben. Bei anderen und höher entwickelten Tieren sind längst die Gene zur Grundlage der Geschlechterbestimmung geworden. Zum endgültigen Beweis ihrer Theorie fehlten Müller und Co. natürlich die befruchteten Sauriereier. Nur dann könnten sie experimentell zeigen, dass die Geschlechterbestimmung bei den Sauriern nach der Temperaturmethode ablief.

Andererseits würde die Theorie recht gut zu den Forschungsergebnissen passen, die eine Wissenschaftlergruppe aus den USA, Deutschland, der Schweiz und Mexiko erst kürzlich gewonnen hatte. Die Forscher hatten einen Bohrkern aus einer Tiefe von 1500 Metern unter der Oberfläche im Zentrum des Chicxulub-Kraters in Mexiko analysiert, der bisher als Ausgangspunkt des Massensterbens gesehen wurde.

Dabei stellten sie fest, dass der Einschlag wahrscheinlich 300.000 Jahre vor dem Aussterben der Dinosaurier stattfand. Der Fund stützt alternative Theorien, wonach die Dinosaurier nicht durch einen schnellen Massentod, sondern durch eine nachhaltige Klimaveränderung ausgelöscht wurden. Was sich damals genau abgespielt hat, ist jedoch noch unklar.

Die Wissenschaftler können heute nur rekonstruieren, dass zu jener Zeit zwei klimarelevante Ereignisse zusammengefallen waren:  Auf der Erde herrschte ein massiver Vulkanismus, der zu einem heißten Treibhausklima beitrug. Zugleich jedoch prallten damals aus dem All unverhältnismäßig viele Meteoriten oder Asteroiden auf unseren Planeten. Ihr Staub verdunkelte den Himmel und ließ es kälter werden.

All das veränderte das Klima auf unserer Erde so nachhaltig, dass die meisten damaligen Lebensformen nicht überleben konnten. Sollte sich jedoch die Theorie von David Miller bestätigen, dann war das für die Dinos ein langsamer, unmerklicher Prozess!


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