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18.04.2004

Mathematische Gehirne



Bild: Neurobiology Research Unit Kopenhagen(NRU)

 

Wer gut rechnen kann, tickt anders. Denn bei mathematisch Begabten arbeiten die Gehirnhälften besser zusammen

Von Doris Marszk

 

Mathematik-Begabte sind anders. Sie sind nicht nur fast immer männlich, was, wie die Forschung annimmt, auf eine besondere Rolle des Testosterons hinweist. Bei mathematisch Begabten arbeiten auch die beiden Gehirnhälften besser zusammen als bei Menschen mit normalem mathematischen Verständnis. Dies fand ein amerikanisch-australisches Psychologenteam heraus und veröffentlichte seine Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Neuropsychology".

"Es ist nicht so, dass man ein spezielles Mathematik-Modul im Gehirn hat", erläutert Michael O'Boyle von der University of Melbourne. "Es ist eher so, dass des Gehirns besondere funktionale Organisation - die es rechtshemisphärischen Beiträgen erlaubt, besser in die allgemeine kognitive Leistung eingebunden zu sein - es für Vorstellungsaufgaben auf hohem Niveau bereit macht. Dies wiederum ist sehr nützlich, wenn es darum geht, mathematische Überlegungen anzustellen."

O'Boyle und sein Kollege Harnam Singh vom U.S. Army Research Institute for the Behavioral and Social Sciences in Fort Benning haben 60 rechtshändige Jungen und junge Männer getestet. Davon waren 18 überdurchschnittlich mathematisch begabt (Durchschnittsalter 14 Jahre). Weitere 18 waren durchschnittlich mathematisch begabt (Durchschnittsalter 13 Jahre). Die übrigen 24 Testpersonen waren Studenten um die 20 Jahre.

Die Aufgabe bestand darin, dass auf einem Computerbildschirm von links oder rechts Muster zu erkennen waren und die Versuchspersonen entscheiden mussten, ob diese Muster zusammenpassten. Die Muster wurden auf drei Weisen präsentiert: einseitig rechts-hemisphärisch (für das linke Auge), einseitig links-hemisphärisch (für das rechte Auge) oder bilateral für beide Augen.

Wegen anatomischer Besonderheiten der sensorischen Projektionsbahnen werden Informationen, die in der linken Gehirnhälfte verarbeitet werden, besser mit dem rechten Gesichtsfeld und also auch dem rechten Auge identifiziert. Informationen aus der rechten Gehirnhälfte werden entsprechend besser mit dem linken Gesichtsfeld erkannt. Die Aufgaben unterschieden sich auch danach, ob sie - wie die Forscher das nannten - "lokal" oder "global" waren.

Beim lokalen Aufgabentyp ging es darum, anzugeben, ob etwa zwei Buchstaben, von denen der eine ein Großbuchstabe und der andere ein Kleinbuchstabe war und die ineinander liefen, zusammen passten. Bei der globalen Aufgabe wurden etwa zwei Großbuchstaben präsentiert, und die Versuchspersonen mussten erkennen, ob sie zusammenpassten.

Das Experiment ergab, dass die durchschnittlich mathematisch Begabten mit der linken Gehirnhälfte besser die lokalen Aufgaben und mit der rechten besser die globalen Aufgaben lösten. Dies passt mit früheren Forschungsergebnissen zusammen, denen zufolge die linke Hemisphäre besser ist im Verarbeiten von Teilen, in diesem Fall der Detail-Gestalt der Buchstaben. Die rechte Hemisphäre kann eher das große Ganze überblicken, zum Beispiel die globalen Gestalten der beiden Großbuchstaben.

Bei den mathematisch überdurchschnittlich Begabten zeigten sich keine solchen Unterschiede in den beiden Gehirnhälften. Daraus schließen O'boyle und Singh, dass bei mathematisch Begabten die Informationsverarbeitungen in den beiden Hemisphären besser aufeinander abgestimmt sind. Dieses Ergebnis stützt die generelle Vermutung, dass "die funktionale Organisation des Gehirns einen wichtigen Faktor bei der Ausprägung kognitiver Möglichkeiten und Talente darstellt", wie O'Boyle sagt.

Dass mathematische Begabung überwiegend bei Männern zu finden ist und vermutlich in Zusammenhang mit dem männlichen Sexualhormon Testosteron steht, sollte aber nicht zu der Annahme verleiten, die Zufuhr von Testosteron hebe das mathematische Verständnis: "Testosteron, das im späteren Leben eingenommen wird, hilft nicht Ihrem mathematischen Verständnis.

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In Internet:

Arte: Das Gehirn: Hier werden die Funktionszentren des Gehirns erklärt

 

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