Wer oder was ist "Morgenwelt"?



Volker Lange

 

Vor acht Jahren war die Geburtsstunde eines neuen, ehrgeizigen Projektes im Internet: Morgenwelt! Erstmals gab es ein elektronisches Magazin rund um Wissenschaft, Forschung und Kultur, geschrieben von namhaften Journalistinnen und Autoren, für Leser, die wie wir auf der Suche nach der Welt von morgen sind.

Und es ist in seiner Art einzigartig geblieben, wie die Jury des Alternativen Medienpreises 2004 fand. Der 1. Preis wurde uns verliehen, weil

"...die Morgenwelt-Autoren in aller Regel professionelle Journalisten sind, die ihr Handwerk verstehen. Im Online-Journalismus ist das nicht selbstverständlich.

…Morgenwelt-Beiträge oft einen authentischen Tonfall haben (der wiederum im Wissenschaftsjournalismus nicht selbstverständlich ist): Die Autoren wissen, wovon sie schreiben. Sie sind in vielen Fällen vor Ort gewesen, und sie können erklären, was sie gesehen haben.

…Morgenwelt-Beiträge oft einen originellen Ansatz haben - wie zum Beispiel jener über die Historie der Anatomie, verknüpft mit der Geschichte der Mathematik."

Ein großer Dank an die Jury, ehrt sie damit doch auch unser Anliegen: Gerade in Deutschland, dessen einzige Ressource die Köpfe all jener Männer und Frauen sind, die hier leben, wird es eine Welt sein, die auf Wissenschaft und Forschung aufbaut. Um so dramatischer ist es, dass diese Ressourcen immer mehr schwinden.

Die Pisa-Studie ist ebenso wie die von vielen Firmen beklagten Wissenslücken von Schulabgängern ein drastisches Warnzeichen. Zumal dies ja keine neue Entwicklung ist. Ich habe nicht vergessen, wie ich vor fast genau zehn Jahren einen Beitrag für „Prisma“, das Wissenschaftsmagazin des NDR in Singapur drehte.

Während in Deutschland die Medien noch ängstlich diskutierten ob man Kinder überhaupt an den Computer lassen solle, wurde in der südostasiatischen Metropole gerade Computerunterricht für Vorschulkinder eingeführt. Wie gesagt: Zehn Jahre ist das her Das Ziel: Langfristig Singapur zu einer „Insel der Intelligenz“ zu machen.

Derlei Ziele sind uns in Deutschland leider abhanden gekommen. Aber wir wollen nicht in Kulturpessimismus verfallen. Im Gegenteil.

Wir sind davon überzeugt, dass sich Menschen begeistern lassen. Für die Lust am Wissen und am Denken. Und dafür wollen wir eine Plattform anbieten: Neuigkeiten und Hintergründe aus der Welt von Wissenschaft und Kultur zu finden, verständlich zu beschreiben und zur Diskussion zu stellen, ist deshalb das einzige Kriterium für MorgenWelt-Geschichten. Frei nach dem Motto des Medientheoretikers Marshall MacLuhan:

„Ein fester Standpunkt kann zu einem gefährlichen Luxus werden, wenn er Einsicht und Erkenntnis ersetzt!"

Wir wollen deshalb auch Geschichten erzählen, die im Mainstream des Journalismus oft untergehen und Aspekte beleuchten, die wichtig sind, um ein Bild unserer heutigen Welt und eine Ahnung für die Zukunft entstehen zu lassen.

Wo nötig, sollen natürlich auch Kontroversen ausgetragen werden. Denn Wissenschaft und Forschung leben von der Fähigkeit, scheinbar Vertrautes immer wieder in Frage zu stellen und zu diskutieren.

Neben Journalisten werden in unserem Magazin deshalb auch Wissenschaftler selbst zu Wort kommen. Sei es durch selbst verfasste Artikel, sei es durch Interviews. Fakten aus erster Hand, aber leicht verständlich präsentiert - das ist unser Anspruch.

 

Volker Lange,
Herausgeber

Mai 2004

 


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